Tag Archives: Ungarn

Ungarn wählt

6 Apr

Heute findet in Ungarn die Parlamentswahl statt. Ich habe darüber für die Homepage des Magazins „biber“ einen Kommentar geschrieben, der hier nachzulesen ist.

Mein Nachbar, der Diktator

8 Jun

Vor wenigen Tagen erschien die Juni-Ausgabe des Magazins biber. Es handelt sich dabei um ein Wiener Gratismagazin, das sich vor allem an junge Migranten richtet und das vom Branchenmagazin „Journalist“ in den vergangenen beiden Jahren zum besten Gratismagazin Österreichs gekürt wurde.

Für die Ausgabe habe ich einen 4-seitigen Artikel über die aktuelle Lage in Ungarn geschrieben. Das Ganze ist eine Reportage, es kommen auch Ungarn und Experten (und auch ein ungarischer Experte) zu Wort. Ich habe den Artikel mal eingescannt, weil er (noch) nicht online verfügbar ist. Hier ist er:

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Biber ist hier zu haben.

Ein Ungar mischt die Bundesliga auf

16 Sep

Wenn man aktuell – nach drei Spieltagen – auf die Scorer-Liste der Bundesliga schaut, findet man einen Spieler von Hannover 96 an der Spitze. Szabolcs Huszti, ein 29-jähriger Ungar, der erst zu Anfang dieser Saison von St. Petersburg nach Hannover gewechselt ist, nachdem er schon von 2006 bis 2009 bei 96 spielte, hat 2 Tore und bereits 5 Vorlagen auf seinem Konto. Dabei muss man bedenken, dass er im ersten Spiel gegen Schalke erst nach 69 Minuten eingewechselt wurde und nichts Zählbares zustande brachte. Beim 4:0 gegen Wolfsburg bereitete er alle 4 Tore vor, und gestern gegen Werder Bremen schoss er per Freistoß das 1:0, bereitete das 2:0 vor und erzielte in der Nachspielzeit den 3:2-Siegtreffer. Enttäuschend war, dass er nach dem Tor zweimal mit Gelb bestraft wurde – einmal fürs Trikotausziehen und einmal fürs Auf-den-Zaun-Klettern – und so noch ganz knapp vor dem Abpfiff mit Gelb-Rot vom Platz flog.

Ein anderer Ungar, der im Gegensatz zu Huszti in der ungarischen Nationalmannschaft spielt – Huszti trat 2010 nach 51 Länderspielen aus der Nationalmannschaft zurück -, erzielte am Wochenende auch ein Tor. Allerdings war der verwandelte Elfmeter des Mainzers Ádám Szalai zum 1:2 gegen Bayern München nur Ergebniskosmetik (das Spiel ging ja 1:3 aus).

Medaillensammler

12 Aug

Bei den Olympischen Spielen 2012, die ja heute zu Ende gehen, habe ich aus patriotischen, familiären und lokalen Gründen vor allem die (Miss-)Erfolge von drei Ländern verfolgt, nämlich von Deutschland, Ungarn und Österreich.

Zu Österreich muss man nicht viel sagen. Keine Medaille, schlechtestes Ergebnis seit 1964. Lustig fand ich, dass das Branchenfachblatt ÖSTERREICH das eigene Land im Medaillenspiegel mit drei großen roten Nullen auf Rang 83 platziert hat.

Ungarn wird wohl am Ende unter den besten 10 Nationen im Medaillenspiegel sein, was mich angesichts des relativ kleinen Landes ziemlich überrascht hat. Allerdings befindet sich Ungarn aktuell auf dem 8. Platz im Ewigen Medaillenspiegel der Olympischen Sommerspiele, ist also regelmäßig so weit oben vertreten. Vor allem ist das Land gut in Sportarten, die im oder auf dem Wasser stattfinden. Beim Kanufahren war Ungarn diesmal mit 3 Gold-, 2 Silber- und einer Bronzemedaille die beste Mannschaft überhaupt (vor Deutschland), beim Schwimmen waren die 2 Goldmedaillen sogar ein wenig zu wenig, wenn man bedenkt, dass Ungarn bei den Olympiasiegen in der Ewigen Schwimm-Rangliste hinter den USA, Deutschland und Australien auf dem 4. Platz liegt. Auch beim Wasserball, wo Ungarn von 2000 bis 2008 dreimal hintereinander Gold holte, wäre mehr drin gewesen als ein Ausscheiden im Viertelfinale.

Schlussendlich freute ich mich, dass Deutschland doch recht gut im Medaillenspiegel dasteht. Ein paar Medaillen mehr wären sicher möglich gewesen, aber manchmal spielt eben das Glück nicht so mit, wie beim Gewichtheber Matthias Steiner. Ziemlich unrealistisch waren die Medaillenvorgaben, die das Innenministerium vor ein paar Tagen veröffentlichte. Danach hätte Deutschland 86 Medaillen gewinnen sollen, davon 28 goldene. Allerdings muss man leider sagen, dass vor allem die Schwimmer enttäuscht haben. Nur Thomas Lurz (über den ich übrigens mal ein Portrait für ein Kundenmagazin geschrieben habe) gewann dort Silber im 10-km-Schwimmen.

Was ich ein wenig komisch fand, war der Hype um die Sportler, die bei wenigen Olympia-Teilnahmen viele Medaillen gewinnen. Michael Phelps zum Beispiel, der bei drei Olympischen Spielen zwischen 2004 und 2012 insgesamt 22 Medaillen gewann, davon 18 goldene. Oder Ussain Bolt, der bei den gleichen drei Spielen 12 Mal Gold holte. Wenn man umgedreht die Sportarten betrachtet, in denen ein Sportler maximal eine Medaille holen kann – Mannschaftssportler zum Beispiel, oder Werfer in der Leichtathletik -, dann finde ich schon, dass man jeden Sportler auf nur einen Start (sprich: eine Strecke bei Schwimmern oder Läufern) pro Olympische Spiele beschränken sollte. Es ist zwar erfreulich für denjenigen, der eine zweistellige Goldmedaillenzahl vorweisen kann, aber so wird der Medaillenvergleich unter den Sportlern unübersichtlich und unfair.

Und zu guter Letzt finde ich, dass man einige Sportarten aus dem Olympischen Programm streichen sollte. Inwieweit war zum Beispiel Fußball relevant bei Olympia? Die alberne Begrenzung auf Spieler unter 23 Jahren mit der noch alberneren Ausnahme von drei Spielern oberhalb dieser Grenze lässt doch wirklich kein Urteil darüber zu, welches Team das beste der Welt ist. Und welche Rolle spielt schon ein Olympiasieg im Tennis für einen Spieler, der beispielsweise zugleich Wimbledon- und US-Open-Sieger ist? Und was hat eigentlich Golf bei Olympia zu suchen, das ab 2016 zum Programm gehören wird? Ich finde, dass Olympia nur den Sportarten und Sportlern gehören sollte, die außerhalb des Vier-Jahres-Rhythmus kaum Beachtung finden und dann für ein paar Tage im Licht der Öffentlichkeit stehen dürfen.

Große Ungarn

16 Jul

In Europa gibt es einige ehemalige Großmächte, deren einstiger Ruhm heute ziemlich verblasst ist. Österreich gehört dazu, Portugal, auch Ungarn. Vor allem zu letzterem habe ich ein besonderes Verhältnis, ist es doch das Heimatland meiner Frau. Und um zu zeigen, dass einige bedeutende Menschen der Weltgeschichte aus Ungarn kamen, starte ich hiermit eine kleine, unregelmäßige Serie: „Große Ungarn“.

Sozusagen als Trailer wollte ich kurz über ein paar gegenwärtige bekannte Menschen schreiben, die etwas mit Ungarn zu tun haben. Da wäre zunächst der ehemalige deutsche Nationalspieler Kevin Kurányi. Wenn man sich ein bisschen in der ungarischen Sprache auskennt, ist dessen Nachname leicht als Ungarisch zu identifizieren. Er wurde zwar in Rio de Janeiro geboren, und da seine Mutter aus Panama stammt, ist er auch dort aufgewachsen. Sein Vater wanderte von Deutschland nach Brasilien aus, aber der Vater seines Vaters wurde in Budapest geboren. Wenn man seinen Nachnamen richtig aussprechen wollte, müsste man ihn übrigens ungefähr so aussprechen: „Kuraaanji“.

Als ich es erfuhr, war ich sehr überrascht, dass Nicolas Sarkozy, der ehemalige französische Staatschef, ungarische Wurzeln hat. Sein eigentlicher Name ist Nicolas Paul Stéphane Sarközy de Nagy-Bocsa, und an Sarközy, Nagy und Bocsa erkennt man den Ursprung. Sarkozys Vater stammt aus einer adligen ungarischen Familie, die südlich von Budapest ein Schloss hatte. Er floh vor den Russen nach Deutschland und später nach Frankreich, wo dann Nicolas zur Welt kam.

Was man vielleicht weiß, ist, dass die Schriftstellerin Ildikó von Kürthy mit Ungarn zu tun hat. Ihr Vater Tamás G. Kürthy stammt aus Ungarn und arbeitete später als Hochschullehrer in Deutschland.

Seit Langem spielt der ungarische Nationaltorhüter Gábor Király in Deutschland, von 1997 bis 2004 für Hertha BSC Berlin und seit 2009 für 1860 München. Auch Tamás Hajnal hat bereits eine lange Karriere im deutschen Fußball hinter sich, er spielte für Schalke, Kaiserslautern, Karlsruhe und Dortmund und aktuell für Stuttgart. Die beiden haben übrigens „sprechende Namen“: „Király“ ist ungarisch für „König“, „hajnal“ bedeutet „Morgendämmerung“.

Und dann habe ich noch eine historische Figur, deren Ahnen aus Ungarn stammen. Ich hatte ja schon hier in einem Gastbeitrag darüber geschrieben, dass der Vater von Albrecht Dürer in der ungarischen Stadt Ajtós geboren ist und von dort aus nach Nürnberg ausgewandert ist. Der Name „Dürer“ leitet sich vom ungarischen Wort „ajtó“ ab, was „Tür“ bedeutet.

Demnächst geht es hier weiter mit der Kurzbiographie eines großen Ungarn.

„Die pünktlichste Bahn der EU“

3 Jun

Zunächst ein Bild:

Normalerweise interessiere ich mich nicht für Werbung, weder in Bahnhöfen noch sonstwo. Aber die Kampagne, die die ÖBB, die Österreichischen Bundesbahnen, gerade fahren, ist schon sehr auffällig. Großflächige Anzeigen wir die obige sind sicher nicht nur am Westbahnhof, wo ich am Freitag Mittag einen Zug nach Budapest bestieg, zu finden. Dort hatte ich einen 20-minütigen Übergang für die Weiterfahrt nach Ostungarn. Doch dazu sollte es nicht kommen, denn – danke, „pünktlichste Bahn der EU“! – der Zug kam genau diese 20 Minuten zu spät in Budapest an, und der nächste fuhr mit vor der Nase weg. Aber da es in der Nähe des Keleti pályaudvar ein Einkaufszentrum mit Wireless gibt und ich mir im örtlichen Tesco Túró Rudi, die nach den Halloren Kugeln leckerste Süßigkeit der Welt, kaufen konnte, habe ich mit die eine Stunde bis zur nächsten Verbindung versüßt.

Heute Nachmittag/Abend fuhr ich dann den gleichen Weg wieder zurück. Die MÀV-START, die ungarische Bahngesellschaft, brachte mich pünktlich nach Budapest und übergab mich dort in die Obhut der ÖBB. Und was soll ich sagen?!? Diesmal kam ich sogar 30 Minuten zu spät in Wien an. Vielleicht sollten die ÖBB das Geld aus ihrer teuren Imagekampagne nehmen und einfach auch noch in Infrastruktur und „Maßnahmen rund um die Pünktlichkeit“ (Zitat von hier) stecken.

Kleine Anmerkung: Bei meinen vielen Fahrten in letzter Zeit mit der ungarischen Bahn war ich nicht einmal unpünktlich (trotz des schlechten Rufs osteuropäischer Zugunternehmen). Und in Ungarn habe ich noch keine großspurigen Pünktlichkeitskampagnen gesehen.

27 Mai

Für den Blog „Der Bär reist“ habe ich einen Gastbeitrag über die ostungarische Stadt Gyula geschrieben.