Tag Archives: Roche & Böhmermann

BILD versteht Jan Böhmermanns Humor nicht

31 Aug

Heute Abend gibt es auf Bild.de die große Schlagzeile „Charlotte Roche pöbelt Max Herre aus TV-Studio“. Mal davon abgesehen, dass es der BILD ja recht gut gefallen dürfte, mal wieder negativ über Charlotte Roche berichten zu können („Sie hat wieder zugeschlagen…“; zur Auseinandersetzung BILD vs. Roche siehe z.B. hier), ist es auch immer schön, über einen „Eklat“ zu berichten. Und zwar soll sich Charlotte Roche negativ über das neue Album von Max Herre geäußert haben. Und da fängt meiner Meinung nach schon die falsche Herangehensweise an die Sendung „Roche & Böhmermann“ an, bei deren Aufzeichnung der „Eklat“ passierte. Denn wer die Sendung ein paar Mal gesehen hat, sollte wissen, dass dort nicht gerade zimperlich mit den Gästen umgegangen wird. Da wurden zum Beispiel Sido und Britt Hagedorn hereingelegt, indem ihnen vorgegaukelt wurde, dass die Aufzeichnung gestoppt wird, obwohl dies nicht der Fall war. Und wer ein Problem mit den Moderatoren hat, der geht einfach nicht hin – so wie Farin Urlaub, der nicht in die Sendung kam, obwohl er zusagte, weil dort geraucht und Alkohol getrunken werden darf. Man hat es also mit einem unkonventionellen Format mit eher unkonventionellen Moderatoren zu tun – das sollte man wissen, wenn man darüber berichten will.

Besonders schön fand ich aber den Konflikt zwischen den Moderatoren Charlotte Roche und Jan Böhmermann – der von der BILD-Zeitung im betreffenden Artikel konstruiert wurde. Dort steht dann zu lesen:

„Sie ist einfach eine laufende Kettensäge“, schimpft Moderator Böhmermann über seine Talk-Kollegin später auf „Radio Köln“. Der Bremer Böhmermann geht sogar noch weiter: „Ich könnte mir vorstellen, die Sendung ohne Charlotte zu moderieren. Ich brauche sie nicht, das Team braucht sie nicht.“

Und spätestens daran erkennt man, dass der Redakteur (Namen braucht man bei der BILD eh nicht, zumindest steht seltenst einer unter einem Artikel) keine Ahnung von Jan Böhmermanns Humor hat. Wenn man nur ein paar Minuten der Lateline am Donnerstag hören würde (oder die Sendung schauen, um die es in dem Artikel überhaupt geht), dann würde man erkennen, dass Böhmermann seine Aussagen ganz sicher nicht ernst gemeint hat. Dass es seine Späße jetzt in die BILD geschafft haben und so Publicity für die (sehr gute, weil eben unkonventionelle) Sendung entsteht, finde ich begrüßenswert, denn so steigt die Quote hoffentlich noch weiter.

Mein Blick zurück (KW 12)

25 Mrz

Eine traurige Nachricht habe ich erst Anfang dieser Woche erfahren, obwohl es schon Anfang der letzten Woche passiert ist. Der Fußballheld Timo Konietzka hat sich mit der Hilfe der Schweizer Organisation Exit das Leben genommen, nachdem im Februar 2012 bei ihm ein unheilbares Krebsleiden festgestellt wurde. Da Konietzka eine bekannte Person war, befürchten nun viele, dass Schweizer Sterbehilfeorganisationen einen Aufschwung erlangen.

Was mich diese Woche ein wenig irritiert hat, ist die Pressemitteilung, dass von neuen iPad nach nur vier Tagen schon 3 Millionen Exemplare verkauft wurden. Ich frage mich dann immer: Sind das alles Leute, die sich jedes Jahr die neueste Version einer Apple-Hardware zulegen müssen und dann auch gleich im Herbst die iPhone-Verkaufszahlen in die Höhe treiben? Oder sind das Leute, die noch gar kein oder ein älteres iPad haben und sich modernisieren wollen? Ich finde jedenfalls den Apple-Hype zunehmend seltsam.

Eine eher lustige Meldung war die, dass John Travolta einen Masseur sexuell belästigt haben soll. Da kommen schon wieder Gerüchte auf, dass der vierfache Familienvater homosexuell sein könnte. Wenn man Ausschnitte aus seinem größten Filmerfolg „Saturday Night Fever“ sieht, weiß ich nicht, ob man es nicht schon vorher hätte geahnt haben können.

Dann habe ich festgestellt, dass zwei ganz tolle Sendungen der ZDF-Spartenkanäle auch als Video-Podcast angeboten werden: zum einen „Bambule“ auf ZDFneo, ein sehr interessant gestaltetes Magazin mit Sarah Kuttner, und zum anderen die Talkshow „Roche & Böhmermann“ auf ZDF.kultur. Vor allem letztere hat es mir angetan, und ich frage mich, wieso das ZDF solch großartige Sendungen (es kommt ja dann noch „neoParadise“ dazu) im TV-Niemandsland versteckt.

Diese Woche wurde ich einmal mehr mit meiner Präsenz auf der Homepage RateMyProfessors.com konfrontiert. Vier Studenten haben während meiner einjährigen Tätigkeit an einer US-amerikanischen Uni eine Bewertung abgegeben. Ich habe von den möglichen 5 Punkten insgesamt durchschnittliche 2,6 Punkte bekommen. Bei Hilfsbereitschaft habe ich 2,2, bei Klarheit 3,0 und bei Einfachheit der Kurse 4,0 Punkte. Alle vier haben mir eine Chilischote (= „Hotness“) gegeben. Irritierend.

Dann habe ich am Donnerstag bei der Presseabteilung eines deutschen Fußball-Bundesligisten angerufen, weil ich ein Interview mit einem Spieler führen will. Das Interview findet nächste Woche statt. Am Ende des Telefonats habe ich peinlicherweise gefragt: „Ist eigentlich nächste Woche Europapokal?“ Und dann meinte die Pressefrau: „Ja, aber leider ohne uns.“ Und mir ist das noch immer so unangenehm, weil ich eigentlich genau weiß, wer im Europapokal spielt. Und die gute Frau musste denken, dass ich ein absolut unfähiger Sportredakteur bin. Zum Glück konnte ich das schlechte Gefühl am Freitag wieder einigermaßen loswerden, als ich mit dem Pressemann eines anderen Bundesligisten sprach und auch mit ihm ein Interview mit einem der Spieler seines Vereins ausmachen konnte.

Zu guter Letzt traten am Donnerstag Rammstein und Marilyn Manson gemeinsam bei der Echo-Verleihung auf. Was theoretisch wie eine großartige Performance klingt, war praktisch sehr langweilig. Es wurde Mansons „The Beautiful People“ gespielt, und ob da hinten Schneider, Kruspe und Co. die Musik gemacht hätten oder Die Toten Hosen oder Mansons eigene Band, hat gar keine Rolle gespielt. Mir hätte es viel besser gefallen, wenn es ein Duett von Manson und Till Lindemann gegeben hätte. Aber letzterer war gar nicht anwesend. Hier trotzdem ein Video des Auftritts:

Jan Böhmermann

24 Mrz

Zum ersten Mal hörte ich von Jan Böhmermann, als ich seine Lukas-Podolski-Parodie „Lukas‘ Tagebuch“ auf diversen Radiosendern gehört habe. Die fand ich doch ziemlich lustig, aber ich dachte, das wäre nur eine gut gelungene Variante der sonst eher durchschnittlichen Radio-Comedys eines verwechselbaren Moderators. Dann fing ich an, die Lateline zu hören, die Call-In-Radiosendung, die ich ja nur am Montag höre, weil da Jens-Uwe Krause von Bremen Vier moderiert. Am Donnerstag moderiert Jan Böhmermann, was ich aber nicht mehr als nur zur Kenntnis nahm. Dann tauchte er bei Harald Schmidt auf und führte dort meist nur minder lustige Straßeninterviews.

Dass ich Jan Böhmermann so richtig positiv wahrnahm, hat mit meiner Meinungsänderung zum Thema Klaas Heufer-Umlauf zu tun. Ich bin ja großer Freund von neoParadise, und weil ich Klaas dort lustig finde, habe ich mir auch den Podcast zur EinsLive-Sendung „Zwei alte Hasen erzählen von früher“ abonniert. Dort moderiert er mit Jan Böhmermann. Und dann startete ja auch die Talkshow „Roche & Böhmermann“ auf ZDF Kultur, von der ich mehr als begeistert bin (und von der es dankenswerterweise auch einen Video-Podcast gibt).

Ich finde, dass man Jan Böhmermann nicht einfach als respektlosen Comedy-Mann abtun kann, was viele sicher tun. Er ist schlagfertig und aktuell informiert, was man an seinen Sprüchen immer wieder merkt. Und er traut sich, auch Dinge auszusprechen, die sich andere nicht trauen. Ich bin sehr gespannt, was für eine Karriere er machen wird und freue mich, dass er momentan so sehr präsent ist.