Tag Archives: Österreich

Wahlwoche

30 Sep

Als ich gerade durch die Stadt ging, fiel mir beim Anblick der schon seit Wochen hängenden Wahlplakate ein, dass ja gestern hier in Österreich gewählt wurde. Mal abgesehen davon, dass ich ohnehin nicht im Land war, hätte ich auch nicht mitwählen dürfen. Ich lebe zwar seit fast 4 1/2 Jahren in Österreich, habe aber in politischen Dingen keine Möglichkeit der Einflussnahme. Einem interessanten Artikel auf der Homepage des Magazins biber, in dem eine Redakteurin aus persönlicher Sicht genau über das Problem der wahllosen Ausländer schreibt, entnehme ich, dass es fast eine Million Menschen in Österreich gibt, die gestern nicht wählen durften. Das ist eine ganze Menge bei 5 Millionen, die Wahlrecht hatten.

Absurd wird der Gedanke, dass ich gestern nicht über die politischen Geschicke in dem Land entscheiden durfte, in dem ich seit einer Weile lebe, wenn man bedenkt, dass ich eine Woche zuvor in dem Land abstimmen durfte, in dem ich seit über 5 Jahren nicht mehr lebe. Ich habe mich nämlich dazu entschlossen, in Deutschland per Briefwahl an der Bundestagswahl teilzunehmen. Vor allem wollte ich schauen, wie das Procedere so abläuft: Da schickt man dem Wahlkreis, in dem man zuletzt gelebt hat (in meinem Fall die Stadt Erfurt), ein Formular, mit dem man sich ins Wählerverzeichnis eintragen lässt. Danach bekommt man seine Wahlunterlagen, macht unspektakulär am Essenstisch seine zwei Kreuzchen, steckt den Wahlzettel in einen Umschlag, den in einen weiteren Umschlag, und das Ganze schickt man zum Wahlleiter. Interessanterweise zahlt man beide Posttransporte aus eigener Tasche, was möglicherweise den einen oder anderen potentiellen Briefwähler davon abhalten könnte.

Um zu resümieren: Ich habe in den vergangenen 8 Tagen einmal gewählt, allerdings nicht in dem Land, in dem ich lebe. Hätte ich dort (also hier) wählen können, dann – und das soll mein einziger Kommentar zu einem der beiden Wahlergebnisse bleiben – hätte es eine weitere Stimme gegen den Rechtsruck gegeben, der gerade durch Österreich geht.

Medaillensammler

12 Aug

Bei den Olympischen Spielen 2012, die ja heute zu Ende gehen, habe ich aus patriotischen, familiären und lokalen Gründen vor allem die (Miss-)Erfolge von drei Ländern verfolgt, nämlich von Deutschland, Ungarn und Österreich.

Zu Österreich muss man nicht viel sagen. Keine Medaille, schlechtestes Ergebnis seit 1964. Lustig fand ich, dass das Branchenfachblatt ÖSTERREICH das eigene Land im Medaillenspiegel mit drei großen roten Nullen auf Rang 83 platziert hat.

Ungarn wird wohl am Ende unter den besten 10 Nationen im Medaillenspiegel sein, was mich angesichts des relativ kleinen Landes ziemlich überrascht hat. Allerdings befindet sich Ungarn aktuell auf dem 8. Platz im Ewigen Medaillenspiegel der Olympischen Sommerspiele, ist also regelmäßig so weit oben vertreten. Vor allem ist das Land gut in Sportarten, die im oder auf dem Wasser stattfinden. Beim Kanufahren war Ungarn diesmal mit 3 Gold-, 2 Silber- und einer Bronzemedaille die beste Mannschaft überhaupt (vor Deutschland), beim Schwimmen waren die 2 Goldmedaillen sogar ein wenig zu wenig, wenn man bedenkt, dass Ungarn bei den Olympiasiegen in der Ewigen Schwimm-Rangliste hinter den USA, Deutschland und Australien auf dem 4. Platz liegt. Auch beim Wasserball, wo Ungarn von 2000 bis 2008 dreimal hintereinander Gold holte, wäre mehr drin gewesen als ein Ausscheiden im Viertelfinale.

Schlussendlich freute ich mich, dass Deutschland doch recht gut im Medaillenspiegel dasteht. Ein paar Medaillen mehr wären sicher möglich gewesen, aber manchmal spielt eben das Glück nicht so mit, wie beim Gewichtheber Matthias Steiner. Ziemlich unrealistisch waren die Medaillenvorgaben, die das Innenministerium vor ein paar Tagen veröffentlichte. Danach hätte Deutschland 86 Medaillen gewinnen sollen, davon 28 goldene. Allerdings muss man leider sagen, dass vor allem die Schwimmer enttäuscht haben. Nur Thomas Lurz (über den ich übrigens mal ein Portrait für ein Kundenmagazin geschrieben habe) gewann dort Silber im 10-km-Schwimmen.

Was ich ein wenig komisch fand, war der Hype um die Sportler, die bei wenigen Olympia-Teilnahmen viele Medaillen gewinnen. Michael Phelps zum Beispiel, der bei drei Olympischen Spielen zwischen 2004 und 2012 insgesamt 22 Medaillen gewann, davon 18 goldene. Oder Ussain Bolt, der bei den gleichen drei Spielen 12 Mal Gold holte. Wenn man umgedreht die Sportarten betrachtet, in denen ein Sportler maximal eine Medaille holen kann – Mannschaftssportler zum Beispiel, oder Werfer in der Leichtathletik -, dann finde ich schon, dass man jeden Sportler auf nur einen Start (sprich: eine Strecke bei Schwimmern oder Läufern) pro Olympische Spiele beschränken sollte. Es ist zwar erfreulich für denjenigen, der eine zweistellige Goldmedaillenzahl vorweisen kann, aber so wird der Medaillenvergleich unter den Sportlern unübersichtlich und unfair.

Und zu guter Letzt finde ich, dass man einige Sportarten aus dem Olympischen Programm streichen sollte. Inwieweit war zum Beispiel Fußball relevant bei Olympia? Die alberne Begrenzung auf Spieler unter 23 Jahren mit der noch alberneren Ausnahme von drei Spielern oberhalb dieser Grenze lässt doch wirklich kein Urteil darüber zu, welches Team das beste der Welt ist. Und welche Rolle spielt schon ein Olympiasieg im Tennis für einen Spieler, der beispielsweise zugleich Wimbledon- und US-Open-Sieger ist? Und was hat eigentlich Golf bei Olympia zu suchen, das ab 2016 zum Programm gehören wird? Ich finde, dass Olympia nur den Sportarten und Sportlern gehören sollte, die außerhalb des Vier-Jahres-Rhythmus kaum Beachtung finden und dann für ein paar Tage im Licht der Öffentlichkeit stehen dürfen.

„Die pünktlichste Bahn der EU“

3 Jun

Zunächst ein Bild:

Normalerweise interessiere ich mich nicht für Werbung, weder in Bahnhöfen noch sonstwo. Aber die Kampagne, die die ÖBB, die Österreichischen Bundesbahnen, gerade fahren, ist schon sehr auffällig. Großflächige Anzeigen wir die obige sind sicher nicht nur am Westbahnhof, wo ich am Freitag Mittag einen Zug nach Budapest bestieg, zu finden. Dort hatte ich einen 20-minütigen Übergang für die Weiterfahrt nach Ostungarn. Doch dazu sollte es nicht kommen, denn – danke, „pünktlichste Bahn der EU“! – der Zug kam genau diese 20 Minuten zu spät in Budapest an, und der nächste fuhr mit vor der Nase weg. Aber da es in der Nähe des Keleti pályaudvar ein Einkaufszentrum mit Wireless gibt und ich mir im örtlichen Tesco Túró Rudi, die nach den Halloren Kugeln leckerste Süßigkeit der Welt, kaufen konnte, habe ich mit die eine Stunde bis zur nächsten Verbindung versüßt.

Heute Nachmittag/Abend fuhr ich dann den gleichen Weg wieder zurück. Die MÀV-START, die ungarische Bahngesellschaft, brachte mich pünktlich nach Budapest und übergab mich dort in die Obhut der ÖBB. Und was soll ich sagen?!? Diesmal kam ich sogar 30 Minuten zu spät in Wien an. Vielleicht sollten die ÖBB das Geld aus ihrer teuren Imagekampagne nehmen und einfach auch noch in Infrastruktur und „Maßnahmen rund um die Pünktlichkeit“ (Zitat von hier) stecken.

Kleine Anmerkung: Bei meinen vielen Fahrten in letzter Zeit mit der ungarischen Bahn war ich nicht einmal unpünktlich (trotz des schlechten Rufs osteuropäischer Zugunternehmen). Und in Ungarn habe ich noch keine großspurigen Pünktlichkeitskampagnen gesehen.