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What the f…?!?

13 Jan

In meinem Google Reader habe ich den Feed von Sparfreunde abonniert. Hier können Nutzer eintragen, wenn es irgendwo etwas günstiger zu kaufen gibt.

Vor drei Tagen tauchte dort ein Deal auf, der „Der Horrortrip“ heißt. Der Beschreibungstext lautete ebenfalls „Der Horrortrip“, war also nicht sehr aufschlussreich. Da ich neugierig geworden bin und im Prinzip vom Titel angesprochen wurde, klickte ich auf den beigefügten Link und kam zu Amazon und zum Kindle-Buch „Der Horrortrip“ einer Autorin namens Simone Kaplan. Wobei das Wort „Autorin“ in diesem Zusammenhang wohl eher eine Schmeichelei ist, wenn man sich die Leseprobe und die Rezensionen unter dem Artikel ansieht.

Zunächst sollte man wissen: Der „Schreibstil“ von Frau Kaplan ist sehr gut auf den ersten Blick erkennbar, da sie gerne am Ende des Satzes erst ein Freizeichen und dann den Punkt setzt und den nächsten Satz nahtlos nach dem Punkt startet. Außerdem steht ein Freizeichen vor und nicht nach einem Komma. Dementsprechend weiß man nun, wer den Beschreibungstext für „Der Horrortrip“ geschrieben hat, wenn man ihn liest:

Gulap fliegt nach seinem Studium in Amerika voller Vorfreude zurück nach Dehli Indien .Er kann es kaum erwarten seine Zwillingsschwester Gita wiederzusehen.
Die beiden verbringen eine wunderschöne Zeit miteinander .
Am letzten Tag bevor Gita nach Mumbai zieht um ihre neuen Job anzutreten wollen sie noch ins Kino.
Nach der Kinovorstellung finden sie kein Taxi und Rischkas .Alle sind vollbesetzt. Da hält ein Bus an.Der Busfahrer lädt sie freundlich zum einsteigen ein.
Gulap kommt dieser Bus irgendwie merkwürdig vor und will zuerst nicht einsteigen.Doch Gita ist es kalt sie will nicht noch länger auf ein freies Taxi warten und steigt fröhlich ein.

Was die beiden nicht ahnen…..es ist eine Falle. .eine grausige Falle!!!
Für Gulap und seine Schwester Gita gibt es kein Entkommen…..denn die Tür schließt sich
Jetzt beginnt ein unvorstellbares Grauen …..

Nach einer wahren Begebenheit.

Neben den Interpunktionsproblemen ist zusätzlich eine unheimlich schlechte Ausdrucksweise zu erkennen. Wenn man nun meint, dass nur die Kurzbeschreibung so schlecht ist, sollte man sich noch die Leseprobe anschauen – denn da geht es so weiter. Ein Rezensent hat noch ein paar Satzbeispiele aus dem „Buch“ aufgeführt:

Er war der einzige unter den 6 , wo eine Arbeit nachging.
Es wurde laut palavert diskutiert.
Das Tape entsprang genau das , was die reißerischen Worte versprachen.
Ich zeigte ihr strahlend meine Diplomurkund , dies wurde in unzähligen Händen weitergereicht.

Inhaltlich soll es wohl um die Gruppenvergewaltigung gehen, die im Dezember 2012 in Indien eine junge Studentin das Leben gekostet hat. Und glaubt man den Rezensionen der Leser, die sich tatsächlich durch den gesamten schlechten Stil gequält haben, müssen die Beschreibungen wohl an Brutalität kaum zu überbieten sein. Da fragt man sich dann natürlich, wie krank jemand sein muss, einen solchen Vorfall als Vorlage für eine „Porno-Horror-Geschichte“ (so nennt es einer der Rezensenten) zu nehmen, und das nur wenige Wochen nach dem Vorfall selbst.

Eine Sache ist noch sehr interessant: Das „Buch“ hat bislang 7 Bewertungen bekommen, 6 Mal einen Stern und einmal 5 Sterne. Die mit Abstand höchste Bewertung, geschrieben von einer gewissen „Klara Vogel“, sieht so aus:

In diesen Buch erzählt die Autorin über dem Vorfall , welcher im Dezemeber in Indien passiert ist. Eine Frau wird brutal vergewaltigt , misshandelt und stirbt an den Folgen.
Einige Szenen werden schon recht brutal und sehr bildlich beschrieben. So dass sogar mir flau im Magen wurde. Und ich kann einiges wegstecken.
Zwecks der Rechtschreib – Grammatik – und Ausdrucksfehler hatte ich ihr schon eine Mail geschickt. Hatte ihr vorgeschlagen das sie , bevor die Bücher in den Shop „wandern“ jemanden bitte kann diese vorher zu lesen und Fehler , Ausdruck,… zu korrigieren.
Deswegen lasse ich bei dieser Rezi die Fehler aussen vor und beurteile nur den Inhalt des Buches. Welcher mir gut gefallen hat.
Übrigends , auch ich habe hin und wieder Rechtschreibfehler , Ausdruckfehler und Grammatikfehler !!

Na, fällt was an der Interpunktion auf?

Wenn ich nicht allergisch gegen Dummheit und schlechte Grammatik wäre, mich dagegen sträuben würde, die Download-Zahlen dieser „Autorin“ zu erhöhen und mir meine Zeit viel zu schade dafür wäre, würde ich doch wirklich die Datei herunterladen und lesen. Aber so groß ist meine Neugier dann doch nicht. Was ich mich allerdings frage: Hat Amazon keine Mindestansprüche an inhaltliche und orthografische Qualität eingereichter Manuskripte?

Print vs. Digital

16 Feb

Ich arbeite in einem Verlag, der Zeitschriften, Magazine und Zeitungsbeilagen herausbringt – die Frage, ob ich gedruckte oder digitale Inhalte bevorzuge, sollte sich also allein aus dem Gesichtspunkt „Man sägt nicht an dem Ast, auf dem man sitzt“ von selbst beantworten. In der Tat bin ich allerdings auch privat ein großer Freund des auf Papier gedruckten Wortes – was auch wieder ein Widerspruch dazu ist, dass ich einen Kindle habe. Aber der Reihe nach.

Ich interessiere mich für Bücher, seit ich lesen kann. Und seit ich eigenes Geld habe, kaufe ich auch Bücher – früher auf Papier gedruckt, heute in E-Book-Form. Meinen Schwenk zur digitalen Buchvariante habe ich schon hier mit Gründen belegt. Ein weiterer Vorteil von weniger Büchern liegt bei einem halben Dutzend Umzügen in meinem Leben auf der Hand. Wüsste ich irgendwann, wo ich alt werde, würde ich mir sicher einen Raum einrichten, wo die Bücherregale bis zur Decke gehen und müsste mir keine Sorgen um Transportkisten und Speditionskosten machen.

Der wichtigere Punkt, auf den ich hinaus will, ist die Zeitungs- und Zeitschriftenabteilung. Eine Kollegin erzählte mir neulich, dass sie gelesen hat, dass man bei weitem weniger Informationen auffasst, wenn man etwas aus einem Bildschirm liest (PC oder E-Book-Reader), als wenn man es auf Papier vor sich liegen hat. Das kann ich nur bestätigen. Mit dem Kindle lese ich auch weniger intensiv und fasse Details weniger präzise auf. Woran das liegt, kann ich aber nicht sagen. Ich mag es einfach, eine Zeitung oder eine Zeitschrift in der Hand zu halten und mir richtig Zeit dabei zu lassen, jeden Artikel zu lesen und mir die Bilder anzusehen.

Mein grundsätzliches Problem ist nur: Ich habe keine Zeit, erst recht nicht als in Vollzeit arbeitender Vater. Ich habe einige Male Probeabos für Zeitungen abgeschlossen, und diese stapelten sich nach einer Woche auf dem Küchentisch, weil ich nicht zum Lesen kam. Zeitschriften sind da etwas anderes, weil man da ja mindestens eine Woche Zeit hat, eine Nummer zu lesen, bevor die nächste kommt. Da ist nur mein zweites, etwas untergeordnetes Prolblem: Es gibt derzeit keine einzige Zeitschrift, die ich mir regelmäßig kaufen würde. Möglicherweise kenne ich die aktuelle Printszene nicht so gut, aber das Magazin, das ich mir momentan abonnieren würde (und in das ich dann meine rare Zeit investieren würde), muss noch kommen.

Warum ich meinen Kindle liebe

25 Jan

Ewig habe ich mich gegen die Ansicht gewehrt, dass die Zukunft des Buches in E-Book-Readern liegt. Viel zu schön ist es, ein papiernes Buch in Händen zu halten, sein Gewicht zu spüren, das frische (gern aber auch schon leicht muffige) Papier zu riechen, darin zu blättern und es dann zu den vielen anderen ins Regal zu stellen. Bei einer Freundin haben wir dann Mitte des letzten Jahres einen Kindle gesehen und ausprobiert, und – was soll ich sagen: Seit meinem Geburtstag im letzten September habe ich auch einen.

So ein Kindle hat schon eine Vielzahl von Vorteilen. Mal unabhängig vom Umweltschutz (kein Baum muss für ein E-Book gefällt werden) ist es so unglaublich praktisch, mit dem Kindle zu lesen. Vor allem, wenn man ein Baby hat, das (wenn es einmal schläft) einen sehr leichten Schlaf hat. Mit einem herkömmlichen Buch in der Hand und unserer Kleinen auf dem Schoß könnte ich nie und nimmer umblättern, ohne dass sie aufwacht. Beim Kindle drücke ich einfach einen Knopf, und schon bin ich auf der nächsten Seite. Außerdem habe ich so viele Bücher bei mir, wie ich nur möchte.

Früher, wenn ich verreist bin, war es fast schon ein innerer Zwang, so viele Bücher wie möglich mitzunehmen, auch wenn ich wusste, dass ich gar nicht zum Lesen kommen werde. Denn nichts war schlimmer, als dann doch ein Buch auszulesen und kein neues dabei zu haben. Heute habe ich Hunderte von Büchern dabei, und die wiegen den Bruchteil eines einzigen Buches aus Papier. Das ist vor allem gut für meinen Rücken.

Dennoch bin ich immer noch Fan gedruckter Bücher, wenn diese einen Mehrwert haben, den nur Papier bieten kann. Zum Beispiel liebe ich die Zamonien-Romane von Walter Moers, die wegen der reichen Bebilderung als E-Books bei weitem nicht so gut wirken wie als gedruckte Bücher. Genauso ist es mit dem „Atlas der abgelegenen Inseln“ von Judith Schalansky, der als E-Book sicher nicht funktioniert. Aber für Bücher, die man „nur liest“, ist der Kindle perfekt und nur zu empfehlen.