Tag Archives: Kind

Patschen

13 Nov

Meine Tochter ist jetzt gut 2 Jahre alt. Das bedeutet, dass sie in Sachen Spracherwerb schon recht fortgeschritten ist und bereits ganze (wenngleich kurze) Sätze bilden kann. Das tut sie in 2 Sprachen, da sie mit der deutschen und der ungarischen Sprache aufwächst. Seit gut 2 Monaten geht sie jetzt in den Kindergarten, und das stellt ihren ersten bewussten Kontakt mit der österreichischen Sprachvarietät des Deutschen dar, was daran liegt, dass alle unsere Freunde und Bekannten hier keine Österreicher sind.

Der Österreicher verwendet ja für manche Sachverhalte andere Wörter als der Deutsche. Als zum Beispiel neulich der Schornsteinfeger bei uns war, nannte er sich „Rauchfangkehrer“. In meinem Ungarisch-Kurs an der Volkshochschule wurde ich die Tage korrigiert, dass man „kifli“ nicht mit Hörnchen übersetzt, sondern mit „Kipferl“. Und an den Kassen vieler Geschäfte wird man gerne gefragt, ob man ein „Sackerl“ braucht, um seinen Einkauf darin nach Hause zu tragen. Mir als Deutschem kommen so manche dieser speziell österreichischen Wörter seltsam vor, weshalb ich sie auch nach 4 1/2 Jahren hier nicht verwende. Es ist wie bei einer Fremdsprache, die man halbwegs beherrscht (also wie beispielsweise bei mir mit dem Ungarischen): Ich verstehe vieles, nicht unbedingt alles, kann es aber selbst nicht sagen, dafür aber umschreiben (nämlich mit dem Wort aus dem deutschen Deutsch).

Und da komme ich zum Beginn dieses Texts sowie zur Überschrift: Als ich meine Tochter neulich von Kindergarten abholte, kam sie ohne Hausschuhe aus dem Spielraum. Als ich nach dem Grund fragte, sagte mir die Kindergärtnerin, dass sie „Patschen verstecken“ gespielt haben. Sie haben also (zur Übersetzung) ihre Hausschuhe ausgezogen, den Kindergärtnerinnen gegeben, die sie dann versteckt haben, damit die Kinder sie suchen können. Und als sie es ein paar Tage wieder gespielt haben, konnte meine Tochter sogar schon selbst „Patschen“ sagen, und seither sind die Hausschuhe bei ihr eben die „Patschen“. Das ist irgendwie seltsam, weil es mir vorkommt, dass meine Tochter eine weitere Fremdsprache lernt, wenngleich diese genauso Deutsch ist wie meine Muttersprache. Aber verdenken kann man es ihr nicht, schließlich ist sie hier in Österreich geboren und wird hier auch aufwachsen, in die Schule gehen und vielleicht sogar heiraten. Möglicherweise einen österreichischen Rauchfangkehrer, der gern Kipferl isst, die er im Sackerl nach Hause bringt.

Kindermodels & Sandkastendiebe

15 Aug

Ich habe schon einer Weile meine Tochter hier nicht vorkommen lassen, was nicht daran liegt, das man nichts mit ihr erlebt (denn das tut man auf jeden Fall), ich vernachlässige nur momentan meinen Blog ein wenig aufgrund anderer Tätigkeiten (von einer größeren davon werde ich demnächst hier berichten). Eine solche Tätigkeit war auch das Verfassen eines Artikels im Kontext Kindererziehung für ein Magazin. Um diesen Artikel adäquat zu bebildern, fand gestern auf unserem bevorzugten Spielplatz ein Fotoshooting statt – mit meiner Tochter als eines der Models.

Das Shooting wurde recht kurzfristig anberaumt, weshalb meine Frau und ich einige Sorgen damit hatten, Freunde meiner Tochter zu organisieren, die nicht gerade im Urlaub sind und Zeit hatten. Wir haben zwei Kinder dazuholen können, aber weil wir noch mehr für das Aufmacherbild des Artikels brauchten, haben wir ein paar Eltern auf dem Spielplatz gefragt, die ihre Kinder auch gerne haben mitmachen lassen. Das geplante Szenario sah vor, dass die Kinder in der Sandkiste miteinander spielen, aber das hat leider nicht so funktioniert wie es sollte – Kommentar der Fotografin: „Kinder zu fotografieren ist ja schlimmer als Tiere zu fotografieren!“ Das ganze Shooting dauerte fast 2 Stunden, wir hatten 5 Motive, und es hat vor allem dadurch sehr viel Spaß gemacht, weil die Kinder sehr schön interagiert haben (nur leider nicht alle auf einmal, sondern „nur“ jeweils zu zweit) und weil wir Eltern uns nebenbei auch sehr gut unterhalten konnten.

Die Ergebnisse des Shootings werden mitsamt meinem Artikel Anfang September veröffentlicht, ich werde hier darüber berichten.

Eine blöde Sache ist aber leider im Zusammenhang mit dem schönen gestrigen Nachmittag passiert. Und zwar hatten wir die Sandspielsachen meiner Tochter mit dabei und für das Shooting im Sandkasten verteilt. Leider vergaßen wir in der Hektik, die Sachen wieder mit nach Hause zu nehmen, was mir in der Nacht und meiner Frau heute morgen einfiel. Allerdings dachten wir, dass das nicht so schlimm sei, da öfter Spielsachen in der Sandkiste liegen, die dann von anderen Kindern genutzt und irgendwann von den kleinen Besitzern wieder mitgenommen werden. Als ich aber heute in aller Frühe auf dem Spielplatz nach den Spielsachen schaute, waren diese nicht mehr da. Irgendwie ist es enttäuschend, dass wir dauernd Spielzeug verlieren, weil andere Kinder die Sachen einfach mitnehmen, und umgedreht die stumme Regel „Damit spielen, aber danach liegen lassen“ respektieren. Vielleicht sollten wir mal eine Zeit lang diese Regel ein wenig dehnen, um unseren Verlust wieder auszugleichen.