Tag Archives: Fast ein bisschen Frühling

[Buch] „Fast ein bisschen Frühling“ von Alex Capus

15 Jan

Dieses Buch ist auch schon wieder eine Weile her – ich nenne es ehrfürchtig meine Vor-Kindle-Zeit (alternativ Papier-Buch-Zeit). Ich bin auf den Autoren durch den Bestseller „Léon und Luise“ aufmerksam geworden, und da es diesen in der Bibliothek nicht gab, nahm ich eben „Fast ein bisschen Frühling“ mit.

Im Buch geht es um Kurt Sandweg und Waldemar Velte, die im Deutschland der Nationalsozialisten eine Bank überfallen und dabei versehentlich einen Mord begehen. Sie fliehen nach Basel, wo sie in ein Kaufhaus gehen und in der Musikabteilung eine Tango-Schallplatte kaufen. Einer der beiden verliebt sich in die Verkäuferin, und die beiden bleiben in Basel. Als das Geld ausgeht, gehen sie auch hier auf Beutezug.

Das Besondere an „Fast ein bisschen Frühling“ ist seine wahre Grundlage. Auch wenn es sich wie ein gut erdachter Roman liest, basiert das Buch auf einem wahren Fall. Kommt dazu, dass Capus‘ Großmutter eine Freundin der Schallplattenverkäuferin war und den Bankräubern somit persönlich begegnete. Alex Capus schafft es also, einen Tatsachenbericht wie einen Roman zu verpacken, wobei ihm der dankbare Stoff sehr entgegenkommt. Außerdem bedient sich Capus einer klaren und schönen Sprache.

Was mir noch dazu gefiel, war die Veröffentlichung von „Was seither geschah“, dem Nachtrag zu „Fast ein bisschen Frühling“. Hier finden sich einige Anekdoten, zum Beispiel aus Capus‘ Lesereise, bei der mehrere ältere Damen aus dem Publikum aufstanden und behaupteten, die Schallplattenverkäuferin aus dem Buch zu sein (die damals unauffindbar verschwand). Außerdem sind Bilder von Sandweg und Velte abgedruckt, was dem eigentlichen Buch nachträglich einen gewissen Grusel gibt (Die beiden gab es ja wirklich!), und eine Mini-CD mit zeitgenössischer Tango-Musik liegt auch bei. Eine sehr nette Idee.