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[TV] Black Mirror, Episode 2

17 Aug

Ich hatte schon hier über die britische Mini-Serie „Black Mirror“ berichtet bzw. über deren erste Folge „The National Anthem“. Neulich habe ich mir die zweite Folge namens „15 Million Merrits“ angeschaut, die ich ebenso wärmstens empfehlen möchte.

„Black Mirror“ besteht aus drei Folgen (es wurden allerdings schon weitere angekündigt), die inhaltlich nichts miteinander zu tun haben, aber durch den roten Faden zusammengehalten werden, dass sie sich mit beängstigenden Zukunftsszenarien beschäftigen, immer in Kombination mit technischen Errungenschaften. Waren diese in der ersten Folge mit YouTube und Facebook welche, die in unserer Gegenwart bereits existieren, so ist die zweite Folge in einer beängstigenden technisierten Zukunft angesiedelt.

Sie begleitet den Protagonisten Bing, der – wie viele andere auch – tagtäglich auf einem Hometrainer fährt, um seine Umgebung mit Strom zu versorgen, aber auch um sich ‚Merrits‘ zu verdienen, die Währung in diesem Szenario. Zur Unterhaltung werden auf den übergroßen Bildschirmen vor den Radfahrern sowie in ihren Zimmern Reality-Shows gezeigt, in denen dicke Menschen gedemütigt werden oder in denen nach Gesangstalenten gesucht wird; außerdem gibt es eine Erotik-Show. Unterbrochen werden die Sendungen durch Werbungen, die man sich ansehen muss – oder man zahlt eine Strafe in Form von ‚Merrits‘. Ausgeben kann man die ‚Merrits‘ für Essen und für die optische Modifizierung seines Avatars, mit dem man als virtueller Besucher an der Casting-Show teilnimmt.

Bing hört eines Tages seine Mit-Radfahrerin Ali singen und überredet sie dazu, an der Casting-Show teilzunehmen. Er denkt, das Teilnahme-Ticket kostet 12 Milionen ‚Merrits‘, tatsächlich sind es aber 15 Millionen. Da er aber knapp über 15 Millionen hat und kein Interesse, diese für irgendetwas auszugeben, kauft er Ali das Ticket. Sie tritt auf und singt:

Die Jury ist begeistert von ihrem Auftritt, rät ihr aber angesichts des Überangebots an herausragenden Sängern in der Show dazu, lieber an der Erotik-Show teilzunehmen. Beeinflusst durch das frenetische Publikum und getragen vom Wunsch, nicht wieder auf ihr Fahrrad zurückzukehren, stimmt Ali zu. Bing ist enttäuscht und sitzt in seinem Zimmer, als auf seinem übergroßen Fernseher die Werbung für Alis Auftritt in der Erotik-Show läuft. Da er keine ‚Merrits‘ mehr hat, um die Strafe fürs Nicht-Hinsehen zu zahlen und den Anblick ertragen muss, zerschlägt er den Bildschirm. Er macht es sich zum Ziel, 15 Millionen ‚Merrits‘ für seinen eigenen Auftritt in der Casting-Show zu verdienen – mit dabei hat er eine riesige Glasscherbe aus seinem zerschlagenen Fernseher.

Die Folge ist vor allem als überspitzte Kritik an Casting-Shows zu verstehen, betrachtet aber auch die Mehr-Klassen-Gesellschaft (die Elite macht im Fernsehen Karriere, die untere Klasse wischt unter den Radfahrern den Boden) und umfassende Überwachung. Gerade durch diese Vielzahl an Themen und die Optik mit vielen Touchscreens und mit Gesten zu bedienenden Bildschirmen ist die Folge sehr sehenswert und bleibt – wie auch schon die erste „Black Mirror“-Folge – lange im Gedächtnis.

[TV] „Black Mirror“ Episode 1

8 Mai

Im Retinacast, einem empfehlenswerten Podcast über Serien, habe ich von „Black Mirror“ gehört, einer bislang erst dreiteiligen britischen Serie, die die digitale Welt als groben Oberbau über seine voneinander unabhängigen Episoden hat. In der ersten Folge, „The National Anthem“, wird die fiktive Enkelin der britischen Königin entführt. Von ihrem Entführer wird sie dazu gezwungen, die einzige Bedingung für ihre Freilassung vor einer Videokamera zu nennen: Der Premierminister soll live im nationalen Fernsehen Sex mit einem Hausschwein haben. Das Video von der Prinzessin wird auf YouTube hochgeladen und verbreitet sich rasant. Anfangs berichten die Nachrichtensender nicht über die genannte Bedingung, nehmen die Information aber bald auf Druck der Bevölkerung in die Berichte über die Entführung der Prinzessin auf. Die britische Regierung versucht unter Zeitdruck, den Entführer zu finden, und als der Entführer einen menschlichen Finger in eine Fernsehredaktion schickt, schlägt die Stimmung der Bevölkerung um, die zunächst auf Seiten des Premierministers stand.

Aus mehreren Aspekten ist diese gerade einmal 45 Minuten lange Episode hochinteressant. Eine einzelne Regierungsperson wird dazu gezwungen, sich in aller Öffentlichkeit selbst zu demütigen, und wird zum Spielball der Machtausübung des Königshauses. Die Menschen des Landes haben durch soziale Online-Interaktion als Gruppe die Macht, Meinungen zu machen. Und am Ende geht es wirklich nur um diesen einen armen Mann, der blöderweise gerade dann das Amt des Premierministers ausübt. Auch wenn die Folge vorbei ist, beschäftigt man sich gedanklich noch sehr lange damit. Leider habe ich noch keine der beiden anderen Folgen von „Black Mirror“ geschaut, aber die erste ist schon sehr vielversprechend.