„Tabu“ von Ferdinand von Schirach

20 Okt

schirach_tabuIch bin ein großer Verehrer der literarischen Werke von Ferdinand von Schirach. Als vor zwei Jahren mit „Der Fall Collini“ sein erster Roman erschien, las ich bei der Gelegenheit gleich seine beiden Story-Sammlungen „Verbrechen“ und „Schuld“ zum wiederholten Mal. Entsprechend freute es mich, dass vor Kurzem mit „Tabu“ ein neuer Roman des langjährigen Strafverteidigers erschien.

In „Tabu“ geht es um Sebastian von Eschburg, den vernachlässigten und emotional abgestumpften Spross verarmten Adels. In der ersten Hälfte des Romans wird sein Werdegang vom Internatsschüler zum gefeierten Fotografen beschrieben, sein Versuch, mit der PR-Managerin Sofia eine Beziehung einzugehen, die Annäherung an seine geheimisvolle Nachbarin Senja, seine immer herausfordernden Fotoarbeiten. In der zweiten Hälfte dann sitzt er in Untersuchungshaft wegen eines Mordes, den er zwar gestanden hat, bei dem es aber keine Leiche und auch sonst nur sehr wenige Beweise für seine eventuelle Schuld gibt. Der an Burn-Out leidende Anwalt Konrad Biegler wird hinzugezogen, für den es jedoch zunächst um die Frage geht, ob von Eschburg bei seinem Geständnis Folter angedroht wurde.

Ferdinand von Schirach hat einen Schreibstil, den ich sehr mag. Die Sätze sind einfach, nicht ausgeschmückt und bringen das auf den Punkt, was sie sagen wollen. Im Grunde ist „Tabu“ eine lange Kurzgeschichte. Beziehungsweise mehrere hintereinander, eine für jeden Lebensabschnitt von Eschburgs. Auch wenn es einige Ungereimtheiten im Handlungsverlauf gibt, auch wenn manche Taten der Figuren nicht direkt nachvollziehbar sind, so mochte ich das Buch von vorne bis hinten. Dabei habe ich mir auch keine großen Gedanken über den programmatischen Titel gemacht, da es schließlich für jeden Leser unterschiedlich sein kann, was genau an „Tabu“ tabu ist und was nicht. Beeindruckend fand ich, dass am Schluss des Buches bemerkt wird, dass die Handlung auf wahren Begebenheiten beruht – wenngleich dies sofort wieder relativiert wird. Auch angesichts dessen, dass man „Tabu“ aufgrund seiner moderaten Länge recht schnell gelesen hat, soll es von mir unbedingt empfohlen sein.

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