Nochmal quer durch Wien, von oben nach unten

3 Okt

Um die (im gestrigen Beitrag in aller Ausführlichkeit erläuterten) Bedingungen für eine goldene Wandernadel der Stadt Wien zu erfüllen, begab ich mich heute auf den Nord-Süd-Wanderweg. Wieder einmal dauerte die Anreise (U-Bahn, U-Bahn, Regionalbus) fast eine Stunde, und als der Bus mich am Startpunkt absetzte, stand ich erstmal am Rand einer vierspurigen (der Heiligenstädter) Straße, die durch das ansonsten beschauliche Kahlenbergerdorf führt. Ich begab mich zunächst zur Adresse, die im Wanderpass als Stempelstelle angegeben war. Doch dort gab es keinen „Heurigen Wettig“, wie im Wanderpass stand, sondern Schimankos Winzerhaus. Zudem öffnete das Winzerhaus erst 12 Uhr, ich war aber bereits 11:30 Uhr da. Ich freundete mich schon mit dem Gedanken an, keinen Stempel zu bekommen (denn so lange warten wollte ich nun wirklich nicht), als ein Auto vor dem Haus hielt, dem ein Paar entstieg, das ein paar Kisten Wein in Schimankos Winzerhaus brachte. Ich nutzte die Gelegenheit, schlüpfte mit hinein und fragte eine der Bediensteten, ob ich einen Stempel haben könnte. Konnte ich, und so begann endlich meine Wanderung.

Die führte mich zunächst entlang der vierspurigen Heiligenstädter Straße zurück Richtung Stadt. Recht bald wechselte ich auf den Donautreppelweg, der gemütlich am Fluss entlang führte. Und dann begann das Chaos: Ich hatte keine Ahnung, wo ich abbiegen sollte, weil mich in drei Dimensionen Schnellstraßen umgaben. Ich verließ mich auf meine Orientierung und fand glücklicherweise zurück zur unmotorisierten Zivilisation – nur um mal wieder einer elend langen Straße nur geradeaus zu folgen. Es kamen Erinnerungen an gestern auf. So lief ich die Brigittenauer Lände entlang (dort kreuzte sich mein heutiger Weg mit dem gestrigen), die dann in die Klosterneuburger Straße überging. Irgendwann kam ich zum Augarten, einem hübschen Park mit zwei Flaktürmen, die – Zitat Wanderkarte – „leider diesen Park verunzieren“.

Dann ging es weiter zum Praterstern. Über die Praterstraße kam ich zum Stubenring und zum Stadtpark, und am Heumarkt konnte ich mir in einem gut besuchten Restaurant meinen zweiten Stempel des Tages abholen. Der schönste Abschnitt der Wanderung führte mich weiter durch die Gartenanlage des Schlosses Belvedere, den Schweizer Garten und das Arsenal. Als ich letzteres verlassen hatte, ging es wieder drunter und drüber. Ich musste per Brücke eine Bahntrasse überqueren, mich auf Privatgeländen rumtreiben und mal wieder einen Umweg laufen, nur um festzustellen, dass ich in einer Sackgasse gelandet war. Konnte mich mich gestern noch halbwegs orientieren, so wäre ich heute ohne zusätzlichen Stadtplan aufgeschmissen gewesen.

Ich lief dann durch eine Parkanlage, den Vergnügungspark Böhmischer Prater, eine Wohnsiedlung und eine weitere Parkanlage, um letztlich in Oberlaa zu landen. Von dort aus ging es noch ein Stück weiter bis nach Unterlaa, wo sich im Restaurant Brückenwirt die dritte und letzte Stempelstelle befand. Gleich davor war glücklicherweise gleich die Bushaltestelle, von der aus ich (Bus, Straßenbahn, Straßenbahn) die Heimreise antreten konnte.

Meine schlaue GPS-Uhr gab mir für heute die folgenden Werte aus: Die Strecke von 24,2 Kilometern brachte ich in 4 Stunden und 1 Minute hinter mich und verbrannte dabei gut 2.500 Kalorien. Damit war ich etwas schneller als gestern und hatte einen Schnitt von weniger als 10 Minuten pro Kilometer. Insgesamt lief ich bei den beiden Wanderungen 48,6 Kilometer, für die ich zusammen 8 Stunden und 9 Minuten brauchte. Entsprechend fühlen sich gerade auch meine Füße an.

Hier sind noch ein paar Fotos von heute:

Leider war die heutige Nord-Süd-Wanderung sehr von vielbefahrenen Straßen geprägt, auch wenn sie im Mittelteil durch einige schöne Parks und an hübschen Sehenswürdigenkeiten vorbei führte. Aber es ist ja grundsätzlich ein Widerspruch, in einer Großstadt zu wandern, und so lassen sich eher unwirtliche, weil industriell genutzte Gegenden nicht vermeiden.

Morgen hole ich mir im Rathaus meine wohlverdiente goldene Wandernadel ab, die ich dann in einem kleinen Nachtrag auch hier zeigen werde.

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