Einmal quer durch Wien, von links nach rechts

2 Okt

Heute habe ich die erste Hälfte einer Herausforderung erledigt, die ich vor mir her schiebe, seit ich in Wien bin, also seit fast 4 1/2 Jahren. Und zwar geht es um die Erlangung einer goldenen Wandernadel.

Zur Erklärung: Die Stadt Wien bietet einige offizielle Wanderwege an. Neun davon sind recht kurz (4 bis 5 Kilometer) und gut ausgeschildert. Zwei führen um die ganze Stadt herum, sind jeweils etwa 120 Kilometer lang und in Etappen aufgeteilt. Und zwei führen mitten durch die Stadt, einer von Nord nach Süd und einer von Ost nach West (oder jeweils umgekehrt, je nach Wanderrichtung). Auf jedem der Wege befinden sich naturgemäß Restaurants, Weinstuben und Biergärten, und in einigen von ihnen kann man sich Stempel in einen Wanderpass geben lassen, den man sich vorher besorgen muss – entweder im Rathaus oder online. Für eine bestimmte Anzahl an Stempeln erhält man dann – ebenfalls im Rathaus – eine Wandernadel. Eine silberne gibt es, wenn man drei Stempel von den kleineren Wanderungen mitbringt, eine goldene bei sieben Stempeln. Für das Absolvieren eines der Rundum-Wanderwege bekommt man gleich eine goldene Nadel. Und bei den Quer-durch-die-Stadt-Wegen ist es so, dass man für eine Strecke Silber bekommt und für beide Gold. Da ich mich für die letzteren Wanderwege sowie die goldene Wandernadel entschieden habe, war es meine heutige Aufgabe, einmal die Stadt Wien zu durchlaufen.

Vor dem Wandern steht die Anreise, und die dauerte (S-Bahn, S-Bahn, Bus) fast eine Stunde. Dann war ich in Salmannsdorf, an der Endhaltestelle von Autobus 35A. Relativ nah am Start befand sich bereits die erste Stempelstelle, in einer Weinstube namens Wolff („anno 1609“). Ich hatte mich vorher erkundigen wollen, wann man dort öffnet, hab aber im Internet nichts gefunden. Es stellte sich dann heraus, dass jeden Tag ab 11 Uhr geöffnet ist, und da ich 10:53 Uhr ankam, durfte ich mich in den 7 Minuten, bis der Chef mit seinem Stempel kam, in die Gaststube setzen und warten.

Dann ging es weiter durch Neustift am Walde, Sievering und den Rest von Döbling, dann über den Donaukanal und durch Brigittenau bis zur Donauinsel. Obwohl in der Wanderkarte, die ich vorher im Rathaus geholt hatte, keine Straßennamen verzeichnet waren, war der Weg recht leicht zu finden. Auf der anderen Seite der Karte stand nämlich eine Liste der zu durchlaufenden Straßen und Gassen. An manchen Stellen musste ich zwar in eine Richtung laufen, um dann festzustellen, dass es die falsche ist, und dann die andere Richtung nehmen, aber insgesamt hatte ich keine Orientierungsschwierigkeiten.

Dann kam ich auf die Donauinsel, und die Wanderung wurde langweilig. Dort ging es nämlich 6 Kilometer nur geradeaus, mit Wasser links und Wasser rechts, und die einzige Abwechslung war die zweite Stempelstelle in einem Fahrradverleih, bei der man auch neben die Donauinsel wechselte, aber noch immer dem Fluss folgte. Und als der Abschnitt endlich vorbei war, verlief ich mich prompt in Kaisermühlen. So kam ich statt nach Aspern erstmal nach Stadlau, konnte mich aber dank der an jeder U- und Straßenbahnhaltestelle vorhandenen Umgebungspläne wieder auf den richtigen Weg bringen.

In Aspern, dem letzten Abschnitt, folgte ich wieder stupide einer vierspurigen Straße, weil ich den in der Karte angegebenen „Grünweg“ nicht finden konnte. Inzwischen taten mir ordentlich die Füße weh, und ich musste mich zum Zielpunkt in Eßling kämpfen. Dort befand sich eine weitere Stempelstelle, das Gasthaus Müllner. Dieses hatte – es war inzwischen 15 Uhr – geschlossen und sah auch sonst nicht gerade aus, als würde es alsbald öffnen. Da man in diesem Fall von Hand in den Wanderpass eintragen kann, dass man dort war, habe ich mich in den nächsten Bus gesetzt und bin (Bus, U-Bahn, S-Bahn, Straßenbahn) wieder nach Hause gefahren. Zu Hause habe ich dann herausgefunden, dass das Gasthaus Müllner seit Ende September dauerhaft geschlossen ist.

Da ich meine GPS-Uhr am Handgelenk trug, die ich normalerweise beim Joggen benutze, erhielt ich am Ende die folgenden statistischen Werte: Ich brachte 24,4 Kilometer in 4 Stunden 8 Minuten hinter mich und verbrannte dabei rund 2.500 Kalorien. Ich kam vorbei an hübschen Dingen wie Weinbergen, einem Denkmal für eine Gans, dem Haus, in dem Beethvoen die „Eroica“ geschrieben hat, einem Schiff, in dem eine Schule untergebracht ist, Hausbooten und einer Menge Nagelstudios am Rande der Stadt (unter anderem einem mit dem absurdesten Namen überhaupt: 4myLUXUS). Ich habe nur wenige Fotos gemacht, ein paar sind im Folgenden zu sehen.

Morgen gehe ich den zweiten Teil der Herausforderung an: einmal durch Wien, von Nord nach Süd.

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2 Antworten to “Einmal quer durch Wien, von links nach rechts”

  1. Miss Booleana 3. Oktober 2013 um 08:50 #

    Wow – klingt nach einer anstrengenden Tour! Was hat denn die Gans vollbracht, dass sie ein Denkmal bekommt?

    • Alex 3. Oktober 2013 um 17:44 #

      Ja, es war heftig. Aber nichts dagegen, wie ich mich heute nach der gleichen Distanz fühle. :-/

      Die Gans saß wohl in den 1970ern regelmäßig auf den Schienen einer Straßenbahn (die heute nicht mehr dort fährt) und musste vom Fahrer weggetragen werden, damit er weiterfahren konnte.

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