Wahlwoche

30 Sep

Als ich gerade durch die Stadt ging, fiel mir beim Anblick der schon seit Wochen hängenden Wahlplakate ein, dass ja gestern hier in Österreich gewählt wurde. Mal abgesehen davon, dass ich ohnehin nicht im Land war, hätte ich auch nicht mitwählen dürfen. Ich lebe zwar seit fast 4 1/2 Jahren in Österreich, habe aber in politischen Dingen keine Möglichkeit der Einflussnahme. Einem interessanten Artikel auf der Homepage des Magazins biber, in dem eine Redakteurin aus persönlicher Sicht genau über das Problem der wahllosen Ausländer schreibt, entnehme ich, dass es fast eine Million Menschen in Österreich gibt, die gestern nicht wählen durften. Das ist eine ganze Menge bei 5 Millionen, die Wahlrecht hatten.

Absurd wird der Gedanke, dass ich gestern nicht über die politischen Geschicke in dem Land entscheiden durfte, in dem ich seit einer Weile lebe, wenn man bedenkt, dass ich eine Woche zuvor in dem Land abstimmen durfte, in dem ich seit über 5 Jahren nicht mehr lebe. Ich habe mich nämlich dazu entschlossen, in Deutschland per Briefwahl an der Bundestagswahl teilzunehmen. Vor allem wollte ich schauen, wie das Procedere so abläuft: Da schickt man dem Wahlkreis, in dem man zuletzt gelebt hat (in meinem Fall die Stadt Erfurt), ein Formular, mit dem man sich ins Wählerverzeichnis eintragen lässt. Danach bekommt man seine Wahlunterlagen, macht unspektakulär am Essenstisch seine zwei Kreuzchen, steckt den Wahlzettel in einen Umschlag, den in einen weiteren Umschlag, und das Ganze schickt man zum Wahlleiter. Interessanterweise zahlt man beide Posttransporte aus eigener Tasche, was möglicherweise den einen oder anderen potentiellen Briefwähler davon abhalten könnte.

Um zu resümieren: Ich habe in den vergangenen 8 Tagen einmal gewählt, allerdings nicht in dem Land, in dem ich lebe. Hätte ich dort (also hier) wählen können, dann – und das soll mein einziger Kommentar zu einem der beiden Wahlergebnisse bleiben – hätte es eine weitere Stimme gegen den Rechtsruck gegeben, der gerade durch Österreich geht.

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Eine Antwort to “Wahlwoche”

  1. Kim 3. Oktober 2013 um 19:59 #

    Der Rechtsruck weht leider schon seit geraumer Zeit durch Österreich. Das hatten wir bei einer Wahl doch auch schon (damals war das BZÖ stärker).
    Ich finde es aber sehr löblich, dass du per Briefwahl deine Stimme genutzt hat! Ich hoffe, dass sich einige durch die paar Euros nicht abschrecken lassen! Das ist doch ein einmaliger Betrag, den man doch entbehren kann!

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