Archiv | September, 2013

Wahlwoche

30 Sep

Als ich gerade durch die Stadt ging, fiel mir beim Anblick der schon seit Wochen hängenden Wahlplakate ein, dass ja gestern hier in Österreich gewählt wurde. Mal abgesehen davon, dass ich ohnehin nicht im Land war, hätte ich auch nicht mitwählen dürfen. Ich lebe zwar seit fast 4 1/2 Jahren in Österreich, habe aber in politischen Dingen keine Möglichkeit der Einflussnahme. Einem interessanten Artikel auf der Homepage des Magazins biber, in dem eine Redakteurin aus persönlicher Sicht genau über das Problem der wahllosen Ausländer schreibt, entnehme ich, dass es fast eine Million Menschen in Österreich gibt, die gestern nicht wählen durften. Das ist eine ganze Menge bei 5 Millionen, die Wahlrecht hatten.

Absurd wird der Gedanke, dass ich gestern nicht über die politischen Geschicke in dem Land entscheiden durfte, in dem ich seit einer Weile lebe, wenn man bedenkt, dass ich eine Woche zuvor in dem Land abstimmen durfte, in dem ich seit über 5 Jahren nicht mehr lebe. Ich habe mich nämlich dazu entschlossen, in Deutschland per Briefwahl an der Bundestagswahl teilzunehmen. Vor allem wollte ich schauen, wie das Procedere so abläuft: Da schickt man dem Wahlkreis, in dem man zuletzt gelebt hat (in meinem Fall die Stadt Erfurt), ein Formular, mit dem man sich ins Wählerverzeichnis eintragen lässt. Danach bekommt man seine Wahlunterlagen, macht unspektakulär am Essenstisch seine zwei Kreuzchen, steckt den Wahlzettel in einen Umschlag, den in einen weiteren Umschlag, und das Ganze schickt man zum Wahlleiter. Interessanterweise zahlt man beide Posttransporte aus eigener Tasche, was möglicherweise den einen oder anderen potentiellen Briefwähler davon abhalten könnte.

Um zu resümieren: Ich habe in den vergangenen 8 Tagen einmal gewählt, allerdings nicht in dem Land, in dem ich lebe. Hätte ich dort (also hier) wählen können, dann – und das soll mein einziger Kommentar zu einem der beiden Wahlergebnisse bleiben – hätte es eine weitere Stimme gegen den Rechtsruck gegeben, der gerade durch Österreich geht.

Fünf-Fragen-Freitag (9)

27 Sep

Ich hätte da mal 5 Fragen:

1. Der Typ, der in den letzten fünf Jahren vom Chemielehrer zum Kriminellen geworden ist, war davor in einer Serie Vater dreier Kinder. Wie hieß der mittlere Sohn, nach dem besagte Serie benannt war?

2. Die Prostituierte, die von einem Geschäftsmann für eine Woche als Begleiterin engagiert wurde, gewann genau 10 Jahre später den wichtigsten Filmpreis der Welt. Für die Rolle in welchem Film?

3. Welche Figur spielte ein ehemaliger Bodybuilder aus Österreich in einer Comicverfilmung, in der ein Typ die Hauptrolle spielte, der zeitgleich in einer Krankenhausserie einen Arzt spielte?

4. Welcher spanische Schauspieler lieh in insgesamt 5 Animationsspielfilmen einem Kater seine Stimme?

5. Welcher Schauspieler spielte in seiner mittlerweile 30-jährigen Karriere unter anderem einen in Bonn geborenen Komponisten, den Vater aller Vampire, den Attentäter (und Mörder) eines der beliebtesten Präsidenten der US-Geschichte und einen reichen Sadomasochisten, der sich einst die Haut vom Gesicht geschnitten und an Hunde verfüttert hat?

 

Was bisher geschah…

Wie „Emma“ zu Amazon kam: Ein Erfahrungsbericht

26 Sep

Beim Schreiben meines Buches „Emma“ ging es mir in erster Linie um zwei Dinge: den Spaß daran, eine Geschichte zu kreieren und die Erfahrung, ein E-Book online zu stellen. Über letzteres möchte ich nun kurz berichten, weil es vielleicht für den ein oder anderen potentiellen E-Book-Autoren von Interesse ist.

Zunächst fand ich es sehr hilfreich, das fertige Manuskript auf dem Programm „Kindle Previewer“ anzuschauen, das von Amazon kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Das simuliert nämlich, wie die Datei als E-Book auf einem Kindle und anderen Readern aussehen wird. Dabei ist mir aufgefallen, dass es zu Fehlern in der Formatierung kommt, wenn man eine PDF-Datei in das Kindle-Format überträgt – zumindest war es bei mir so. Es wurden nämlich nicht nur an den Stellen Zeilenumbrüche gemacht, an denen ich es wollte, sondern auch willkürliche, die dafür sorgten, dass zuweilen ein einzelner Satz in einer Zeile stand. Abhilfe geschaffen hat nach langem Experimentieren schließlich die Lösung, das als DOC gespeicherte Manuskript in HTML zu speichern und dann in den Previewer zu schieben.

Sehr praktisch fand ich es beim finalen Korrekturlesen, auf meinem Computer mit zwei Fenstern zu arbeiten. Links hatte ich den Previewer mit der Kindle-Ansicht des Textes, in der ich gelesen habe, und rechts die DOC- bzw. HTML-Datei, in der ich sofort die Korrekturen einfügen konnte.

Als ich mit dem Manuskript zufrieden war, ging es ans Einstellen bei Kindle Direct Publishing. Dort kann man sich mit seinem regulären Amazon-Käufer-Account anmelden und ist dann gleich mit einer Abfrage konfrontiert, in der man über steuerliche Fragen Auskunft geben muss. Da die Fragen sich ausschließlich auf die USA beziehen, sind sie recht schnell beantwortet, und man kommt zu einem Menü mit 4 Punkten. Zwei davon sind relevant; eines, nämlich „Bücherregal“, sofort, das andere, „Berichte“, später.

In „Bücherregal“ stellt man sein Buch ein, indem man auf „Einen neuen Titel hinzufügen“ klickt. Dann kommt man auf ein Formular mit allerhand auszufüllenden und anzuklickenden Feldern, die die eigene Publikation betreffen. Da hat man erst einmal die Möglichkeit, sein E-Book bei KDP Select anzumelden. Tut man dies, so bietet man es 90 Tage lang exklusiv bei Amazon an. Dafür kann es dann ausgeliehen und an 5 Tagen kostenlos angeboten werden; das generiert Reichweite. Dann gibt man Informationen wie Titel, Versionsnummer und Mitwirkende ein und erstellt den Beschreibungstext, der am Ende auf der Artikelseite erscheint. Auch kann man bis zu zwei Kategorien bestimmen, in denen das Buch erscheinen soll, sowie bis zu 7 Suchschlagwörter. Anschließend kann man mit der Online-Anwendung „Cover Creator“ einen Bucheinband erstellen, wenn man nicht selbst ein Cover zusammengebaut hat. Der Creator ist ein wenig unflexibel in der Platzierung der Textfelder, macht seine Aufgabe aber ansonsten ganz anständig. Zu guter Letzt lädt man die Datei mit dem Manuskript hoch und klickt ganz unten auf „Speichern und fortfahren“.

So erreicht man das zweite Formular, in dem man auswählt, für welche Länder man die Rechte an seiner Publikation hält. Um nicht 246 Mal klicken zu müssen, kann man auch ganz einfach „Weltweite Rechte“ anklicken. Dann kommt der Teil, der wahrscheinlich für die meisten Self-Publisher der interessanteste ist: der Buchpreis. Zunächst entscheidet man, ob man 35 oder 70 Prozent des Verkaufspreises behalten möchte. Warum genau das so ist, ist mir noch immer nicht so richtig klar. Die einzige für mich relevante (wenn auch nicht logische) Information war die, dass man für die 70%-Lösung einen Preis zwischen 2,60 und 9,70 Euro bestimmen muss. Die Preisspannen der anderen Amazon-Shops (.com, .co.uk, .co.jp, .com.mx und so weiter) liegen ähnlich und können allesamt automatisch auf Basis des Dollar-Preises festgelegt werden.

Schließlich klickt man ganz unten auf „Speichern und veröffentlichen“. Es dauert bis zu 24 Stunden, bis das Buch bei Amazon gelistet ist, und bis zu 48 Stunden, bis es auch erhältlich ist. Bei „Emma“ war es viel kürzer, da kam es innerhalb weniger Stunden online.

In den nächsten Tagen kommt der zweite Teil meines Erfahrungsberichts, in dem ich darüber schreibe, was passiert, wenn das Buch schließlich verfügbar ist.

Meine subjektive Meinung zu iOS 7

24 Sep

iOS-7-IconSeit Mitte letzter Woche kann man das Betriebssystem von iOS-Geräten auf Version 7 updaten. Ich habe es am Donnerstagmorgen getan, nachdem ich damit gerechnet hatte, dass die halbe Welt ihr Update am Mittwoch macht und dann sowieso kein Durchkommen sein würde. Man hatte im Vorfeld ja schon viel gelesen und Fotos gesehen, was iOS 7 können und wie es aussehen wird, deshalb gab es auch kaum Überraschungen. Optisch finde ich es vor allem deshalb ein wenig hübscher, weil es nicht mehr so düster ist wie iOS 6, sondern auf weiße Schrift, helle Farben und milchig-durchsichtige Flächen setzt. Das spricht erstmal das Auge an, wenngleich vor allem die Icons der Apple-eigenen Apps wie Safari oder Game Center doch ein wenig aussehen wie die für Kinder-Apps.

Doch viel wichtiger ist die Funktionalität. Da hat sich bei weitem nicht so viel getan wie bei der Optik, aber trotzdem gibt es erwähnenswerte Veränderungen. Ich muss voranschicken, dass ich sehr selten mit meinem iPod Touch online gehe. Daher kann ich Sachen wie iCloud, Game Center oder Newsstand nicht beurteilen. Aber aus diesem Grund steht ja oben in der Überschrift das Adjektiv „subjektiv“.

Was ich an iOS 7 sehr mag, sind die beiden Schnellzugriffsmenüs. Das eine ist der Homescreen selbst, der sehr praktisch ist, wenn man Podcasts hört. Dann nämlich kann man ihn auf einen Klick stoppen oder 15 Sekunden zurückspulen. Neu ist die Anzeige des Fortschrittsbalkens, mit dem man sich informieren kann, wie lange die aktuelle Folge noch läuft. Das andere Menü wird aktiv, wenn man vom unteren Bildschirmrand nach oben wischt (funktioniert im Homescreen, im normalen Menü und von jeder App aus). Dann kann man so nützliche Funktionen wie die Helligkeit des Bildschirms, die Wi-Fi-Aktivität, Bluetooth, den Wecker und anderes auf einen Klick bedienen. Außerdem kann man dort die Taschenlampenfunktion aktivieren.

Was ich vor allem mit meinem iPod tue, ist Videos schauen und Podcasts hören. Und beides hat sich mit iOS 7 ziemlich verändert. Zunächst zum Thema Video: Die hauseigene Abspiel-App unterteilt die Videos nun nach „Movies“ und „Home Videos“, wobei ich die Unterscheidungskriterien unklar finde. Sehr stört mich, dass mit iOS 7 in der Videoliste nicht mehr angezeigt wird, wie lang ein Video ist und ob man es schon zu schauen angefangen oder gar beendet hat. Außerdem sieht man, wenn man ein Video unterbricht, einen unnützen Infobildschirm, in dem nichts weiter steht als Name, Größe, Codec, Länge und Format des Videos. Wozu braucht man das an der Stelle?

In iOS 6 konnte man Podcasts noch über die Musik-App abspielen. In Version 7 muss man dafür die Podcasts-App installieren. Die macht das gleiche wie die Musik-App, was ihre Existenz in Frage stellt, und ich habe nun statt einer App für Musik und Podcasts unnötigerweise gleich zwei. Geradezu blödsinnig finde ich, dass in der Podcast-App auch die Podcasts verzeichnet sind, von denen es aktuell keine Folgen zu hören gibt. Das macht die Liste sehr unübersichtlich. Außerdem stört es mich sehr, dass man nicht einmal mehr den Beschreibungstext für den Podcast anzeigen lassen kann.

Ich mag es immer nicht, wenn Dinge an Programmen geändert werden, die ich mag und für sinnvoll halte. Bei iOS 7 ist das an einigen Stellen passiert, und ich frage mich, warum es Apple nicht bei den optischen Veränderungen belassen hat. Das war anscheinend Arbeit genug.

Fünf-Fragen-Freitag (8)

20 Sep

Schnell mal ein paar Fragen:

1. Der Regisseur, Produzent und Drehbuchautor von zwei Kinofilmtrilogien, die in einem Land südlich des Äquators gedreht wurden, war unter anderem auch für Regie, Drehbuch und Produktion eines Horrorfilms zuständig, in dem ein recht kleingewachsener Schauspieler die Hauptrolle hatte. Wie heißt die Serie, in der besagter Schauspieler demnächst sein TV-Comeback geben wird?

2. Eine jüdische Schauspielerin, die einen wichtigen Filmpreis für die Darstellung einer Ballerina gewonnen hat, spielte auch in einem kleineren Film mit, der den Spitznamen eines US-Bundesstaats trägt. Das Regiedebüt welches Schauspielers, der auch mitspielte, war dieser Film?

3. In welchem Film mit einer Bande berühmter Puppen spielte ein Schauspieler die Hauptrolle, der mit dem Typen befreundet ist, der in einer Serie seinen Kindern seit Jahren erzählt, wie er ihre Mutter kennengelernt hat?

4. Ein anderer Freund des Typen aus Frage 3 spielt aktuell in einem Halb-Trick-halb-Realfilm mit. Von welcher Sängerin wird die einzige weibliche Trickfilmfigur im Original dieses Films gesprochen?

5. In einer Serie, die vor Kurzem zu Ende ging und die ihren Namen einem New Yorker Hochhaus verdankt, gab es die Rolle der Chefautorin einer Fernsehshow. Die Frau, die diese Rolle spielte, war zuvor tatsächlich Chefautorin einer Show. Welcher?

 

Die vergangenen Ausgaben liegen hier (zum Teil noch originalverpackt) rum.

Meine 12 Lieblingsbücher

18 Sep

Die Bücherphilosophin hat dieser Tage eine großartige Aktion gestartet, an der ich sehr gerne teilnehmen möchte. Die Aktion heißt „Die Lieblingsbücher-Challenge“, und es geht darum, ab Oktober über ein Jahr verteilt die eigenen 12 Lieblingsbücher noch einmal zu lesen. Für mich ist diese Herausforderung aus dreierlei Hinsicht interessant.

Zum einen werde ich durch sie „gezwungen“, endlich mal wieder zu lesen. Ich habe nämlich die dumme Befürchtung, dass ich in diesem Jahr noch kein einziges Buch beendet habe. Natürlich, ich habe viel Zeit mit meiner Tochter verbracht, habe selbst ein E-Book („Emma“) geschrieben, aber ich habe auch sehr viele Episoden von Serien geschaut, als ich genauso gut auch hätte lesen können. Ergo: Wieder mehr lesen!

Zum anderen kann ich mir so Gedanken darüber machen, welche Bücher ich eigentlich als meine Lieblingsbücher bezeichnen würde. Auf Anhieb würden mir um die 6 Bücher einfallen, aber um auf 12 zu kommen, muss ich erst mein „Leseleben“ Revue passieren lassen. Und das wird mir viel Spaß machen, das weiß ich schon jetzt.

Dazu kommt, dass ich (analog zur aktuell etwas ins Stocken geratenen Aktion Hundert Helden) auf meinem Blog eine neue Kategorie starten kann: Meine 12 Lieblingsbücher. Teil der Challenge ist nämlich, dass man die gelesenen Bücher dann auch rezensiert.

So sieht übrigens das Logo der Aktion aus:

„Wake up and die“

17 Sep

poster2Camila wacht nackt in Armen und Haus eines fremden Mannes auf und kann sich nicht mehr an die Ereignisse der vergangenen Nacht erinnern. Sie erklärt dem Mann, dass sie eigentlich nur in einer Bar etwas trinken wollte und One-Night-Stands normalerweise nicht ihre Art sind. Trotzdem haben die beiden nochmal Sex, und währenddessen erwürgt der Mann die Frau. Doch sie ist nicht lange tot, stattdessen kehrt sie (und die gesamte Situation) zur Ausgangsposition zurück. Damit ist das meiste schon erzählt: Dario, der Mann, will Camila töten, und nachdem er es getan hat, wird zurückgespult. Camila kann sich jedes Mal daran erinnern, was sie vor ihrem Tod erfahren hat, und so setzt sie Stück für Stück (oder besser: Tod für Tod) das Geheimnis um Dario zusammen.

Die Formel des kolumbianischen Films „Wake up and die“ (spanischer Originaltitel: „Volver a morir“) ist äußerst simpel: Man nehme ein gruselig eingerichtetes Haus, stecke einen Mann und eine Frau hinein, die die meiste Zeit nackt herumlaufen und die dümmsten Sachen sagen und tun, die ihnen so einfallen. Dann hole man sich die Prämisse von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ und das Motiv von „Psycho“, schüttle ein wenig, und schon ist er fertig: der wohl langweiligste Psychothriller, der je auf DVD erschienen ist.

Unter den beschriebenen Voraussetzungen kann in „Wake up and die“ natürlich keine Spannung aufkommen. Man fiebert nicht mit, ob Camila von Dario erwischt wird oder nicht, denn passiert es, dann zieht es keinerlei Konsequenzen nach sich – weil sie ja sowieso überlebt. Bevor alles wieder auf Null gestellt wird, sieht man noch dazu eine kleine Vorschau auf das, was als nächstes geschehen wird, was dem Thrill auch nicht gerade förderlich ist. Zudem offenbart sich Darios Geheimnis dem nur einigermaßen aufmerksamen Zuschauer bereits nach kurzer Zeit. Aber angesichts der schwachen Prämisse und der unendlichen Dummheit von Camila habe ich mich ohnehin nach kurzer Zeit gefragt, warum ich den Film überhaupt zu Ende schauen sollte. Ich habe es getan, und selbst das Finale hat mich schwer enttäuscht.