„Colin McRae Rally“ für iOS

26 Jul

CMRRColin McRae war so etwas wie der Ken Block der Vor-YouTube-Generation: Auch Menschen, die nichts mit dem Rallye-Rennsport anfangen konnten, kannten seinen Namen. Das lag vor allem an der Spielserie, der McRae seit 1998 seinen Namen gab. McRae selbst verunglückte 2007 bei einem Hubschrauberunglück tödlich. Die Serie wird jedoch bis heute fortgesetzt; seit „Colin McRae: DiRT 2“ von 2009 – und so schließt sich der Kreis – fungiert Ken Block, der mir im Interview vor gut 2 Jahren sagte, dass er mit McRae befreundet war, als technischer Berater der Entwickler. Vor Kurzem erschien mit „Colin McRae Rally“ die erste Umsetzung für Apples mobile Geräte, und als alter Rennspielfan musste ich mir die App natürlich besorgen.

Eine Rallye unterscheidet sich signifikant von Asphaltrennen auf geschlossenen Rennstrecken: Man fährt auf einem abgesteckten Kurs durch das Gelände und bekommt von seinem Beifahrer gesagt, in welche Richtung die nächste Kurve geht, wie scharf sie sein wird und ob es sonstige Schwierigkeiten im nächsten Streckenabschnitt geben wird, wie Felsbrocken am Straßenrand oder eine Kurve, die man wegen eines Hindernisses nicht abkürzen darf. Zudem fährt man nicht zeitgleich mit seinen Gegnern, sondern gegen die Zeit, die dann mit der der Gegner verglichen wird, um eine Rangfolge zu erstellen. Die Zeiten von einzelnen Etappen werden schließlich addiert, und der Fahrer mit der schnellsten Gesamtzeit ist Sieger.

So läuft es auch bei „Colin McRae Rally“. Anfangs fährt man eine Rallye mit 6 Etappen in Australien und hat nur ein Auto zur Wahl. Ist man erfolgreich, schaltet man weitere Rallyes und Autos frei. Außerdem kann man einzelne Rallyes und Etappen fahren, um neue Bestzeiten zu erreichen. Für das Rennen selbst hat man die Wahl zwischen Touch- und Bewegungssteuerung; da ich bei solchen Spielen die Bewegungssteuerung generell nicht mag, habe ich sie auch nicht getestet, kann mir aber auch nicht vorstellen, dass sie sehr präzise ist. Zudem kann man wählen, ob man die Kamera hinter oder vor dem eigenen Auto platzieren möchte. Die Anweisungen, in welche Richtung es geht, bekommt man nicht nur gesagt, sondern auch mit farbigen Pfeilen angezeigt. So kann man rechtzeitig seine Geschwindigkeit anpassen oder entsprechend vorsichtig fahren. Am oberen Rand des Bildschirms kann man dank zweier Auto-Piktogramme sehen, wie weit man in der Etappe ist und wie man sich gegen den Computergegner schlägt. Außerdem gibt es in jeder Etappe Zwischenzeiten, dank derer man sich orientieren kann, wie viel Vorsprung beziehungsweise Rückstand man hat.

Einen sehr interessanten Aspekt finde ich das Schadensmodell. Man kann nicht einfach sein Auto zu Schrott fahren und unbeschadet das Rennen zu Ende bringen. Vielmehr verschlechtert sich mit jedem Crash die Performance, und das hat sogar Folgen über die Etappe hinaus. Man kann nämlich immer nur alle 2 Etappen sein Auto reparieren lassen. Baut man also in der ersten Etappe der Rallye einen schweren Unfall, muss man mit dem beschädigten Auto auch die zweite Etappe fahren. Dazu kommt, dass die Reparaturzeit begrenzt ist und man im schlimmsten Fall gar nicht alle Schäden beheben kann. Das macht Rennen sehr spannend und zwingt zum vorausschauenden Fahren.

Insgesamt finde ich „Colin McRae Rally“ technisch sehr gelungen, habe aber drei Kritiken zu äußern. Einmal dauert das Laden eines Rennens relativ lange, was man aber verschmerzen kann, spätestens wenn man sieht, wie gelungen die Grafik und wie schön die Optik im Rennen ist. Dann sind die Hindernisse im Rennen zuweilen recht unrealistisch: Da bleibt man nämlich gerne mal mit seinem fetten Rallyewagen an einem dünnen Bäumchen hängen und zieht sich einen Schaden zu. Oder man fährt gegen einen Busch wie gegen eine Wand. Aber auch das ist nicht so schlimm, schließlich soll man ja die Hindernisse möglichst vermeiden. Was ich aber wirklich störend finde, sind die (zumindest auf dem iPod Touch/iPhone) recht kleinen Steuerungstasten. Es passiert mir regelmäßig, dass ich mich in eine Kurve legen will und das Auto einfach nicht reagiert, weil ich neben die Taste gedrückt habe. Verbunden mit dem oben beschriebenen Schadensmodell kann das eine ganze Rallye versauen. Da wäre es toll gewesen, wenn man die Tasten je nach Bedarf größer einstellen könnte. Aber bis auf ein paar kleinere Mäkeleien (z.B. wird Colin McRae immer Erster oder Zweiter, was dem Konkurrenzkampf etwas die Spannung nimmt) mag ich „Colin McRae Rally“ sehr gerne.

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