BILDblog auf Österreichisch

3 Mrz

Wir schreiben den 3. Juli 1951. Die österreichische Presse hat sich am Wiener Westbahnhof versammelt, um einen ungewöhnlichen Gast willkommen zu heißen. Angekündigt hatte sich nämlich der grönländische Schriftsteller Kobuk. Und in der Tat: Dem Zug entsteigt ein Mann in Pelzmantel und mit einer Pelzmütze auf dem Kopf. Nur: Unter der authentischen, aber zur Jahreszeit recht unpassenen Bekleidung steckte kein Grönländer, sondern der österreichische Kabarettist Helmut Qualtinger. So weit, so lustig. Das Problem war nur, dass 4 Tage später, als Besuch und Besucher längst als Streich zu erkennen gegeben wurden, die „Arbeiterzeitung“ einen Artikel (rechts unten im Link) über den „Eskimodichter Kobuk“ veröffentlichte, in dem sie über seinen „beachtlichen Leserkreis“ schreibt und seine „Absicht, seine Stücke ‚Einsames Iglu‘ und ‚Verlassener Kajak‘ in Wien aufführen zu lassen“, ankündigt.

Ein kleiner Zeitsprung. Als ich im Mai 2008 nach Wien kam, erfreute es mich zunächst, dass man hier am Eingang zu jeder U-Bahn-Station die kostenlosen Tageszeitungen „Heute“ und „Österreich“ mitnehmen kann. Die Freude währte allerdings nicht lange. Nämlich genau so lange, bis ich merkte, dass das meiste, das in den besagten Zeitungen steht, ziemlicher Schrott ist, und noch dazu manipulativer Schrott. Seither rege ich mich nur noch darüber auf, wie viele Menschen sich auf dem Weg zur Arbeit davon verdummen lassen.

Was die beiden scheinbar zusammenhanglosen Geschichten miteinander und mit der Überschrift dieses Eintrags verbindet? Ganz einfach: Ich bin die Tage über diesen Post bei BILDblog auf die Seite Kobuk! gestoßen. Das ist ein mit BILDblog vergleichbarer Watchblog, allerdings für die österreichische Medienlandschaft (und nicht nur für „Heute“ und „Österreich“) – und auch da kommt man aus dem Kopfschütteln darüber nicht heraus, was sich so manche Medien für Dreistigkeiten erlauben. Betrieben wird Kobuk! von Publizistikstudenten der Uni Wien; genauere Infos sind hier zu finden.

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