Archiv | März, 2013

[Film] Dracula 3D

28 Mrz

Dracula3dDie Voraussetzungen für einen richtig guten Film waren zumindest da: Auf dem Regiestuhl saß die italienische Horrorlegende Dario Argento, in der einen Hand fast 6 Millionen Dollar Budget, in der anderen Hand ein Drehbuch, das auf einem der bedeutendsten klassischen Horrorwerke aller Zeiten basiert: auf Bram Stokers „Dracula“. Und vor der Kamera taten namhafte Schauspieler wie Thomas Kretschmann (als Dracula), Rudger Hauer (als Abraham van Helsing) und des Regisseurs Tochter Asia Argento (als Lucy) ihre Arbeit. Die allerdings taten sie ausnahmslos schlecht. Aber das ist nicht einmal das einzige Problem an Dario Argentos Interpretation des Ur-Vampir-Stoffs.

Schon bei der grauenhaft schlecht animierten Kamerafahrt gleich zu Beginn des Films weiß man, in welche Richtung es in den nächsten knapp 2 Stunden gehen wird: in Richtung Trash. So sind nach 5 Minuten schon die ersten Brüste zu sehen, nach 8 Minuten stirbt deren Besitzerin durch Draculas Zähne. Danach wabert der Film durch seltsame Interpretationen der Romanvorlage, durch Computeranimationen, die so schlecht sind, dass sie ihren Namen nicht verdienen, sowie durch unterirdische Schauspielleistungen.

Argentos „Dracula“ spielt in einem Dorf namens Passberg (oder so ähnlich), das am Fuß des Berges liegt, auf dem Draculas Schloss steht. Der Einfachheit halber sind die wichtigen Figuren des Romans gleich vor Ort (Lucy wohnt im Dorf, Renfield sitzt im örtlichen Gefängnis) oder kommen zu Besuch (Mina reist an, weil sie ihren Ehemann Jonathan so sehr vermisst). Wahrscheinlich wäre die Schiffsüberfahrt von Dracula nach England zu teuer in der Produktion gewesen, und so konnte man sich noch dazu den Aufbau weiterer Kulissen sparen. Es sind kleine und größere Ungereimtheiten wie diese, die den Film so absurd wie schwer erträglich machen. Ein paar Beispiele: Ein paar offensichtlich friedliche Schäferhunde rennen auf die Kamera zu, und durch die Unterlegung mit bedrohlichem Knurren soll suggeriert werden, dass wilde Wölfe angreifen. Dracula verwandelt sich so von einem Wolf zurück, wie man es vor 10 Jahren mit einem Morphing-Programm an einem handelsüblichen PC nicht schlechter hätte machen können. Draculas Fähigkeit, die Gestalt einer riesigen Gottesanbeterin annehmen zu können, führt zu einer absurden Szene, in der besagtes Insekt eine Treppe hinauf läuft – selbstverständlich einmal mehr schlecht animiert. Und das sind wie gesagt nur ein paar Beispiele.

Man könnte dem Film zugute halten, dass er sich daran versucht, ein B-Movie mit dem entsprechenden Trash-Charme zu sein. Aber selbst das gelingt ihm nicht, da er sich trotz allem viel zu ernst nimmt. Es gibt nur zwei kleine Aspekte, die ich positiv hervorheben will: Zum einen bekommt man in der Originalfassung, da der Film auf Englisch gedreht wurde, obwohl dies die Muttersprache keines einzigen Hauptdarstellers ist, ein paar nette, vor allem italienische, Akzente zu hören. Und zum anderen sind die Kulissen, allen voran Draculas Schloss, doch recht liebevoll gestaltet. Ob das genug Argumente sind, 2 Stunden für den Film zu opfern, bleibt dahingestellt.

Hundert Helden (22): Armin Gessert

26 Mrz

GianaSistersIn dieser Kategorie stelle ich Personen des öffentlichen Lebens vor, die meine Kindheit und Jugend geprägt haben.

Diesmal: Armin Gessert, Spieleprogrammierer

Warum so heldenhaft? Bereits sehr früh hatten mein Bruder und ich einen – Achtung, schon wieder etwas Altes! – Commodore 64, kurz C64 genannt. Es muss auf jeden Fall vor 1992 gewesen sein, dass wir ihn bekommen haben, also vor meinem 12. Lebensjahr. Natürlich haben wir kleinen Kinder auf dem Computer ausschließlich Spiele gespielt, und eines der faszinierendsten davon war „The Great Giana Sisters“. Entwickelt wurde das stark an Super Mario erinnernde Jump-’n‘-Run-Spiel im Jahr 1987 von Time Warp Productions, der zuständige Programmierer war Armin Gessert. Mir ist „Giana Sisters“ vor allem durch eine Szene in Erinnerung geblieben: Am Ende von Level 4 kommt ganz plötzlich eine Spinne auf Giana zugerannt, und mein Bruder und ich waren gleichzeitig so erschrocken, dass wir schreiend vor dem Fernseher saßen und erstmal das Spiel ausmachen mussten. Die Szene gibt es hier im Video.

Wie ging es weiter? Mein Bruder und ich haben zwar, mit etwas zeitlichem Abstand, nochmal „The Great Giana Sisters“ gespielt, aber ich glaube, dass keiner von uns jemals das Spiel durchgespielt hat.
Armin Gessert gründete 1994 die Firma Spellbound, deren Insolvenz im vergangenen Jahr er allerdings nicht mehr erlebte, da er im November 2009 im Alter von 46 Jahren überraschend an einem Herzinfarkt gestorben ist.

Und heute? Ich habe die App „Giana Sisters“ seit geraumer Zeit auf meinem iPod und spiele sie auch gelegentlich. Das Besondere daran: Wenn man die 80 neuen Levels durchgespielt hat, sind die 32 Levels aus dem Original spielbar.
Außerdem gibt es seit Kurzem das Spiel „Giana Sisters: Twisted Dreams“, das sehr interessant aussieht, das ich aber leider noch nicht gespielt habe.

Mein Fitnesstest mit Xbox und Kinect

22 Mrz

Ich habe gerade gesehen, dass auf der Provocateur-Homepage der Text veröffentlicht wurde, den ich über meinen Test mit der Xbox 360, der Kinect und dem Programm Nike+ Kinect Training geschrieben habe. Dafür habe ich im Januar/Februar vier Wochen lang regelmäßig Übungen gemacht und geschaut, ob sich Fitness vor der Konsole im Vergleich zum Fitnessstudio lohnt. Der Artikel (inklusive nichtssagendem Foto aus unserem Wohnzimmer – an letzter Stelle in der Slideshow ganz oben) ist hier zu finden.

be styled 1/2013

21 Mrz

IMG_1870Da ich ja wegen meiner Karenz nicht mehr am Tagesgeschäft in der Redaktion teilhabe, weiß ich auch nicht, wann der Erscheinungstermin für die Frühlingsausgabe von be styled war/ist. Da ich aber heute mein Autorenexemplar per Post bekam und sowohl Homepage als auch Facebook-Seite aktualisiert worden sind, möchte ich das Heft auch hier erwähnen – auf die Gefahr hin, dass es erst in ein paar Tagen zu haben ist.

Auf dem Cover ist diesmal die Moderatorin Nazan Eckes, die zum Shooting in Wien war; allerdings war ich zu der Zeit schon in Karenz und konnte nicht hin. Textlich war ich im Heft wieder für die längeren Sachen zuständig. So habe ich 6 Seiten zum Thema „Urban Gardening“ gestaltet; da geht es um den Prinzessinnengarten in Berlin, um die High Line in New York, um Vertical Farming und um Guerilla Gardening (S. 82-87). Über Sebastian Vettel habe ich eine Doppelseite geschrieben (S. 138/139), ebenso über 100 Jahre Leica (S. 112/113) und über Bücher, die irgendwie auf Serien basieren (S. 108+110). Außerdem kommt eine 4-seitige Strecke über Baumhäuser von mir (S. 78-81).

Auch wenn alle diese Themen viel Spaß gemacht haben, so mochte ich doch die Arbeit an einer Sache am meisten: Ich habe nämlich etwas über „ewige“ Seriendarsteller gemacht. Da sieht man die Schauspieler Johnny Galecki, Neil Patrick Harris, Ashton Kutcher und Ed O’Neill sowie die Ensembles von „Beverly Hills 90210“, „Friends“ und „Dawson’s Creek“, wie sie damals aussahen, und erfährt, was sie heute machen. Ich hätte gern das ganze Heft mit dem Thema gefüllt, so waren es „nur“ Seiten (S. 104-107). Weil ich die Strecke so schön finde, habe ich sie mal abfotografiert:

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Hundert Helden (20-21): Reinhard Lakomy & Monika Ehrhardt

19 Mrz

Cover_Der_Traumzauberbaum_largeIn dieser Kategorie stelle ich Personen des öffentlichen Lebens vor, die meine Kindheit und Jugend geprägt haben.

Diesmal: Reinhard Lakomy und Monika Ehrhardt, Musiker

Warum so heldenhaft? Nachdem ich bei den Beatles schon die antike Tonträgerform der Audiokassette erwähnt hatte, wird es jetzt noch ein wenig älter: Als ungefähr 8-Jähriger mochte ich eine Schallplatte namens „Der Traumzauberbaum“. Ich kann mich noch erinnern, dass ich sie vor allem im Hort nach der Grundschule gehört habe, ob wir sie auch zu Hause hatten, weiß ich aber nicht mehr. Komponiert wurden die Lieder von Reinhard Lakomy, die Texte stammen von seiner Ehefrau Monika Ehrhardt. Erzählt wird von den Waldgeistern Moosmutzel und Waldwuffel, die im Traumzauberbaum leben und deren Aufgabe es ist, die Traumblätter mit einer Stimmgabel zum Klingen zu bringen. Zusammengehalten wird die Geschichte von wunderbaren Liedern wie „Der Eierbecher“ und „Frosch-Rock’n’Roll“. Da ich immer bis 16 Uhr im Hort blieb, weil dann erst mein Schulbus nach Hause fuhr, war ich am Nachmittag viel mit Lesen und Schallplatten hören beschäftigt. Außerdem weiß ich noch, dass mein Schulfreund Olli und ich mit Dominosteinen elend lange Reihen über Tische, Stuhle und durch den ganzen Raum gebaut haben, um sie dann einstürzen zu lassen.

Wie ging es weiter? Wie bei anderen Medien auch, die ich als Kind mochte, habe ich mir vor einiger Zeit den „Traumzauberbaum“ besorgt – diesmal im mp3-Format. Vor Kurzem ist der 4. Teil erschienen, wobei ich noch nicht einmal etwas von einem 2., geschweige denn weiteren Teilen wusste; Infos zur Reihe, zu Konzerten und den beiden Machern sind auf der Homepage zum „Traumzauberbaum“ zu finden. Im Übrigen gibt es eine weitere Produktion von Lakomy und Ehrhardt, bei der mir zumindest der Name bekannt vorkommt, nämlich „Schlapps und Schlumbo“.

Und heute? Bei der Recherche, was Lakomy und Ehrhardt heute machen, erfuhr ich Tieftrauriges: Bei Lakomy wurde im Februar dieses Jahres ein Bronchialkarzinom festgestellt. Er hat sich dazu entschlossen, auf eine Chemotherapie zu verzichten.

Nachtrag vom 23. März 2013: Reinhard Lakomy ist heute im Alter von 67 Jahren in seinem Haus in Berlin-Pankow verstorben.