Archiv | Februar, 2013

[Film] The ABCs of Death

12 Feb

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Die Idee hinter „The ABCs of Death“ ist eine ziemlich gute: Es sollte ein Langfilm entstehen, der aus 26 Kurzfilmen besteht, also so vielen, wie das Alphabet Buchstaben hat. Für jeden der Kurzfilme wurde ein anderer Regisseur gefunden, dem der Produzenten Ant Timpson 5.000 Euro zur Verfügung stellte. Außerdem bekam jeder der Regisseure einen Buchstaben zugeteilt, das Wort allerdings, das mit dem Buchstaben beginnt und dem Filmsegment zugrunde liegt, konnte sich jeder selbst aussuchen. Ach ja, und passend zum Titel des Films sollte der Tod auch eine gewisse Rolle spielen.

Rein rechnerisch (wenn man von den 2 Stunden Laufzeit den verständlicherweise ellenlangen Abspann abzieht) dauert jedes Segment im Schnitt etwas mehr als 4 Minuten. Und die Regisseure dieses englisch-spanisch-französisch-japanischen Sprachgewirrs nutzen diese Zeit mal mehr und mal weniger kreativ. Es gibt alberne Teile (zum Beispiel den Trickfilm für „Klutz“, in dem eine Frau von ihren eigenen Fäkalien umgebracht wird), ernsthafte Teile (wie „Speed“, eine Parabel auf Drogenmissbrauch), höchst künstlerische Teile (wie „Dogfight“, in dem ein Mann gegen einen Hund kämpfen muss), lieblose Teile (wie „Miscarriage“, in dem eine Frau in schlecht gefilmten Bildern einen Fötus in der Toilette herunterspült), verwirrende Teile (wie „Zetsumetsu“ [japanisch für „Auslöschung“], mit nackten japanischen Nazi-Frauen, deren Phallus-Waffen zu einer Suppe zerschnitten werden) und sogar Meta-Teile (wie „Quack“, in dem der Regisseur und der Drehbuchautor nicht wissen, was sie mit dem Buchstaben Q anfangen sollen und dann eine Ente erschießen wollen). Das Gute: Wenn einem ein Teil nicht gefällt, muss man nicht lange warten, bis der nächste startet.

Ich fand es angesichts der relativen Freiheit, mit der die Filmemacher kreativ werden konnten, und der gleichen Voraussetzungen, die ihnen durch den identischen Geldbetrag gegeben wurde, erstaunlich, wie grundverschieden die Ergebnisse letztlich sind. Deshalb finde ich den Film auch in seiner Gesamtheit äußerst gelungen. Und: Auch wenn man nicht unbedingt auf Horror steht,  kann man viele der Kurzfilme gut finden.

Die für mich besten 5 Segmente sind übrigens diese (in alphabetischer Reihenfolge):

  • „Dogfight“ (schon erwähnt)
    „Ingrown“ (ein minimalistischer Film mit einer Frau, die in einer Badewanne festgebunden ist)
  • „Removed“ (ein Gefangener wird verstümmelt und kann fliehen)
  • „Speed“ (schon erwähnt)
  • „Unearthed“ (aus der Ego-Perspektive eines Vampirs, der von Dorfbewohnern gejagt wird)

5 Dinge, wegen denen ich „Need For Speed: Most Wanted für iPhone“ nicht mag

9 Feb

nfsmwNoch bis Ende Februar kann man hier das iPhone/iPod-Spiel „Need For Speed: Most Wanted“ kostenlos herunterladen (ansonsten ist es hier regulär aus dem App Store herunterladbar). Um es vorweg zu sagen: Ich bin ganz froh, dass ich für das Spiel kein Geld ausgegeben habe, da ich es für ziemlich schlecht halte. Es macht zwar optisch einen sehr guten Eindruck, und auch wenn ich mir nicht viel aus Automarken mache, sind erfreulich viele prestigeträchtige Fahrzeuge mit am Start. Allerdings hat das neueste „Need For Speed“ einige Haken. Für mich sind es die folgenden:

  1. Einseitige Polizeieinsätze: Man stelle sich vor, es findet ein illegales Rennen zwischen 6 Autos statt, und die Polizei lässt 5 von ihnen davonrasen, weil sie sich nur auf eines fokussiert. So ist es bei „Most Wanted“. Es ist mir so oft passiert, dass ich mir ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit einem Gegner geliefert habe, und plötzlich taucht ein Polizeiwagen auf, drängt mich an die Bande, und der Gegner fährt gemütlich vorbei. Oder ich wurde gleich mal von 2 Polizeiwagen bedrängt und zugleich von einem Gegner überholt. Besonders frustrierend ist dies natürlich, wenn man so knapp vor der Ziellinie abgefangen und um den Sieg oder einen guten Platz gebracht wird.
  2. Konstruierte Rennverläufe: Ich hasse es, wenn man bei Autorennen erkennt, dass abhängig vom Rennverlauf etwas an der KI der Gegner gedreht wird. So fährt auch bei „Most Wanted“ der Gegner plötzlich schneller, wenn er dramatisch zurückliegt, oder er wird langsamer, wenn sein Vorsprung zu groß wird. Ich habe es oft genug erlebt, dass Gegner mich gegen Ende des Rennens an sich herankommen lassen haben, nur um mich dann doch noch verlieren zu lassen. Da fragt man sich dann, warum man zuvor nicht einfach hinterhergeschlichen ist, wenn man am Ende sowieso wieder herankommt.
  3. Unlogische Unfallphysik: Man kann dutzendfach frontal und kräftig gegen ein Polizeiauto rasen, weil man es außer Gefecht setzen will, und es passiert nichts, außer dass man aufgehalten wird. Und dann tippt man es nur leicht mit der Seite an, und es überschlägt sich wild in der Luft. Außerdem wurde mir durch einen Ladebildschirm gesagt, dass man gegnerische Autos auch zerstören kann, aber gelungen ist mir dies trotz teilweise wirkungsvoll aussehener Zusammenstöße bislang nicht einmal ansatzweise.
  4. Teure Update-Politik: Im Normalfall ist es bei Rennspielen so, dass man sich für ein Auto, das man gekauft hat, auch gleich die Updates kaufen kann; diese bleiben dann Bestandteil des Autos. Bei „Most Wanted“ ist es so, dass man vor jedem Rennen das Update neu kaufen muss. Da kommt es dann zu Situationen, in denen man ein Rennen gewinnen muss, um am Ende überhaupt eine Kleinigkeit an Geld zu gewinnen. So ist man permanent versucht, kurz vor der Ziellinie abzubrechen und das Rennen neu zu starten, wenn sich abzeichnet, dass man kein gutes Ergebnis erzielt – weil man ja für ein neues Rennen gleich wieder zahlen muss. Man muss wohl nicht dazusagen, dass man sich per In-App-Kauf frische Spielwährung erwerben kann.
  5. Undurchschaubares Drumherum: Bei „Most Wanted“ gibt es ein halbes Dutzend Fahrzeugklassen, und für fast jedes Rennen ist eine andere davon zugelassen. Aber es ist nicht so richtig ersichtlich, in welcher Klasse man sich verstärken sollte. Genauso wenig ist mir klar geworden, wie man welche neuen Autos und welche neuen Strecken freischalten kann, weil ich nicht verstanden habe, für welche Aktionen man überhaupt mit SpeedPoints belohnt wird, die für das Freischalten sorgen.

Ich finde es schade, dass man die gute Grafik, die Lizenzen und die guten Ideen (es gibt zum Beispiel Rennen, in denen man über die gesamte Strecke eine bestimmte Durchgeschnittsgeschwindigkeit erreichen muss) mit solchen Mängeln zerstört und so ein höchstens durchschnittliches Rennspiel geschaffen hat.

Karenz & 4-Monats-Plan

8 Feb

Ich komme im Moment sowas von nicht zum Bloggen, was vor allem daran liegt, dass wir gerade die nächste Ausgabe des Provocateur produzieren, die übrigens am 1. März erscheinen wird. Gleichzeitig wird es der vorerst letzte Provocateur sein, an dem ich als festangestellter Redakteur mitarbeiten werde. Und zwar deshalb, weil ich mit Ende nächster Woche in Karenz gehen werde.

Der Plan hatte sich bereits Mitte November manifestiert und musste auch schnell umgesetzt werden, da meine Frau sehr kurzfristig einen Job gefunden hatte. Da man die Karenz 3 Monate vor Antritt beim Chef ankündigen muss, ging es darum, für diese Zeit eine Betreuung für unsere Tochter zu besorgen. Die einzige Möglichkeit, die für uns in Frage kam, war meine Schwiegermutter, und sie kam mit Freuden zu uns, um sich um ihre Enkelin zu kümmern, während meine Frau und ich in der Arbeit sind. So haben wir es auch bis eine Woche vor Weihnachten gemacht, bis ich in Urlaub ging; der dauerte ziemlich genau einen Monat und umspannte Weihnachten, Neujahr und Heilige Drei Könige. Als ich dann Mitte Januar wieder in die Arbeit ging, kam die Mutter meiner Frau wieder zu uns, und jetzt ist sie noch genau eine Woche da, nämlich bis ich in Karenz gehe. Dort bleibe ich, bis unsere Kleine im September 2 Jahre alt wird, dann kann sie nämlich in den Kindergarten gehen.

Da ich damit rechne, dass ich auf längere Sicht mit der Kinderbetreuung intellektuell etwas unterfordert sein werde, habe ich mir einen Schreibwettbewerb zum Anlass genommen, um endlich einen lange gehegten Plan zu erfüllen: Ich schreibe ein Romanmanuskript. Dafür habe ich ziemlich genau 4 Monate Zeit, und ich habe auch schon überschlagen, dass ich rund 200 Wörter pro Tag schreiben muss, um es zu schaffen. Zum Glück kenne ich schon die Geschichte, die ich schreiben werde, von vorne bis hinten, und ein Konzept habe ich auch schon erstellt, also geht es wirklich „nur“ noch um den Schreibteil. Nichtsdestotrotz wird das eine ziemliche Herausforderung, und ich werde sehen, ob das Vorhaben nicht doch ein wenig zu hoch gegriffen ist. Aber wenn ich sehe, dass dieser Blogeintrag genau 359 Wörter beinhaltet, habe ich keine so schlechten Chancen. Ich werde hier über meinen Fortschritt berichten.

Ein weiterer Held meiner (diesmal frühen) Jugend

2 Feb

Als Redakteur hat man zuweilen mit bekannten Menschen zu tun. Und obwohl ich schon mit Ken Block eine Runde drehte, meine Hand auf Lionel Messis Schulter lag und mich Jochen Schweizer zum Bungeespringen brachte, haben manche Prominente auf persönlicher Ebene eine sehr große Bedeutung für mich. Ich durfte ja vor einer Weile schon mit Manuel Anrack telefonieren, was mir viel bedeutet hat, weil ich einst ein großer Fan der „Harald-Schmidt-Show“ war, und gestern hatte ich einen für mich persönlich noch viel bedeutenderen Menschen am Telefon: Moses Pelham.

Es war 1994, ich war gerade 14 Jahre alt. Musikalisch war ich noch nicht orientiert, ich hörte kein Techno mehr und noch kein Heavy Metal. Da zog im Haus gegenüber ein Junge mit seiner Familie ein, aus dem fernen Frankfurt am Main stammend. Der Junge verstand sich vor allem gut mit meinem Bruder, weil die beiden im gleichen Alter waren, aber auch ich kam gut mit ihm aus. Eines Tages kam er mit einer CD vorbei, „Direkt aus Rödelheim“ vom Rödelheim Hartreim Projekt. Ich weiß nicht, ob es die Faszination für harte Worte war, die mich die CD rauf und runter hatte hören lassen, aber es war so. Ich hörte das Album so oft, dass ich noch heute auf Zuruf Reime daraus zitieren kann. Komischerweise beeindruckte mich das zwei Jahre später erschienene Album „Zurück nach Rödelheim“ nicht so sehr, aber meine Begeisterung für die Rapper Moses P. und Thomas H. war tief in mein Hirn eingebrannt.

So verfolgte ich auch die Karriere von Moses Pelham: die Gründung des Labels 3p, die Entdeckung von Sabrina Setlur und Xavier Naidoo, der neuerliche Erfolg mit Glashaus und Sebastian Hämer, seine mittlerweile abgeschlossene „Geteiltes Leid“-Trilogie. Und als ich neulich in der Redaktion nach einem geeigneten Prominenten für unsere Kategorie „Meine Stadt“ suchte, fiel mir nach einigem Überlegen Moses Pelham ein. Ich fragte bei 3p an, und man sagte mir sofort zu. Und gestern um 15 Uhr war es soweit: Ich hatte den großen Moses Pelham am Telefon und durfte 35 Minuten mit ihm sprechen. Erwartungsgemäß ist er ein sehr sympathischer und reflektierter Mensch, und das Gespräch machte sehr viel Spaß. Vielleicht lade ich bei Gelegenheit ein paar Schnipsel davon hoch, vor allem das herzerfrischende und charakteristische Lachen von Moses muss man gehört haben. Mich jedenfalls hat das Interview mit Moses Pelham tief beeindruckt – so wie damals meine erste Begegnung mit seiner Musik.