Ein Verkauf bei Amazon

6 Nov

Ende September habe ich bei Amazon meinen Fernseher zum Verkauf angeboten. Er war nicht mal zwei Jahre alt, und ich habe ihn für rund 2/3 seines damaligen Kaufpreises angeboten. Loswerden wollte ich ihn, weil wir ihn seit über einem Jahr überhaupt nicht mehr und davor nur sporadisch nutzten. Nach wenigen Tagen bestellte ihn jemand, ich schickte ihn gut verpackt los, bekam das Geld und hörte nichts mehr, weder von Amazon noch vom Käufer. Alles soweit in Ordnung.

Am letzten Wochenende, also mehr als ein Monat später, meldete sich der Käufer. Er meinte, der Fernseher entspräche nicht seinen Erwartungen und wäre zudem zu spät geliefert worden. Er wäre im Krankenhaus gewesen und erst vor Kurzem entlassen worden, und erst danach kam das Gerät an. Zugleich gab er mir das schlechtestmögliche Feedback (1 von 5 Sternen), gab aber dort an, dass die Lieferung pünktlich war. Zu bemängeln hatte er einzig, dass die Adressen auf dem Paket handgeschrieben waren und die Art der Verpackung „nicht positiv für Amazon“ sei.

Ich schrieb ihm, dass ich das Paket Ende September losgeschickt habe, und was danach damit geschah, lag nicht in meiner Macht, sondern in der der Post. Zudem entschuldigte ich mich für die amateurhafte, aber dennoch effektive Verpackung. Ich fragte auch nach, was denn am Fernseher nicht seinen Erwartungen entspricht.

Er ließ mich plötzlich wissen, dass der Fernseher Anfang Oktober – also pünktlich – bei ihm ankam und sein Nachbar das Paket entgegennahm, weil er selbst ja zu der Zeit im Krankenhaus war. Als er wieder nach Hause kam, stellte er fest, dass ihm der Fernseher zu klein war und seine Antenne nicht angeschraubt werden konnte.

Ich schrieb ihm zurück, dass er genau wusste, was er bestellt – inklusive der Angaben über Größe und Vorhandensein der Antennen- und sonstigen Anschlüsse –, da die Beschreibung bei (und von) Amazon ausführlich genug war. Schließlich hatte ich genau das gleiche Gerät zum Verkauf angeboten, das ich knapp zwei Jahre zuvor selbst gekauft hatte. Dafür klickte ich sogar auf genau den Link bei meiner Bestellung von damals und dann auf den wunderbaren „Diesen Artikel verkaufen“, der bei jedem Produkt rechts zu finden ist. Es konnte also meinerseits kein Irrtum bezüglich der Angaben vorliegen. Zudem schrieb ich ihm, dass es mich wundert, dass er mir keine Fragen stellen konnte, bevor er auf „Bestellen“ geklickt hatte, aber nach dem Bestellen klappt das ganz wunderbar mit den Benachrichtigungen. Mein Abschlusssatz: „Unwissen ist kein Grund für eine Rückgabe.“

Heute bekam ich eine Nachricht von Amazon, unter dem Betreff „A-bis-z-Garantieantrag“. Der Käufer hat sich an Amazon gewandt und angegeben, dass das Gerät „in verkehrswesentlichen Eigenschaften abweichend“ ist. Die Begründung: „Der bestellte Fernseher entspricht nicht den Erfordernissen des Kunden.“ Grundsätzlich gibt es für mich einen Unterschied zwischen den Eigenschaften und den Erfordernissen. Die Eigenschaften hatte er schwarz auf weiß vor seiner Bestellung, und diese Eigenschaften konnte er mit seinen Erfordernissen in Einklang bringen – oder eben nicht. Wenn nicht, dann hätte er einfach von einer Bestellung absehen können.

Ich habe dann Amazon gegenüber Stellung bezogen und in wesentlichen geschrieben, dass ich die Beschreibung von Amazon übernommen und somit genau das Gerät verkauft habe, das ich auch bei Amazon gekauft hatte. Zudem hat mich der Käufer nicht vorher kontaktiert, um mir Fragen zum Produkt zu stellen. Sollte er noch immer auf eine Rücksendung bestehen, so soll er mir bitte nachweisen, dass er etwas anderes bekommen hat als das, was er auch bestellt hat.

Im FAQ von Amazon habe ich gelesen, dass die „A-bis-z-Garantie“ drei Fälle abdeckt: 1. Das Gerät wurde nach Bestellung und Bezahlung nicht geliefert. 2. „[…D]ie Beschaffenheit des Artikels weicht in wesentlichen Eigenschaften von der Beschreibung des Verkäufers ab.“ 3. „Der Käufer hat einen Artikel wie vereinbart zurückgeschickt oder möchte dies tun, doch der Verkäufer reagiert nicht.“ Die Punkte 1 und 2 treffen in diesem Fall definitiv nicht zu, und bei Punkt 3 ist es so, dass ich binnen weniger Stunden – praktisch gleich, nachdem ich die jeweiligen Nachrichten gelesen hatte – reagiert habe. Und wenn der Käufer ohnehin als Rückgabegrund angibt, dass das Gerät nicht der Beschreibung entspricht, ist er sowieso und nachweislich auf dem Holzweg.

Ich finde es einfach nur enttäuschend, dass es Menschen gibt, die einfach arglos auf „Bestellen“ klicken und dann denken, sie können einfach alles schön wieder zurückschicken, wenn es ihnen nicht gefällt. Vor allem dann, wenn der Kauf von Privatperson zu Privatperson passiert. Vor allem dann kann man im Vorfeld relevante Fragen klären. Ich habe alles richtig gemacht in dieser Sache, aber im schlimmsten Fall gibt Amazon dem Käufer recht, und ich verliere Geld dadurch, weil ich ja Kosten für Verpackungsmaterialien und Versand hatte.

Aber mal abwarten, wie die Sache weitergeht.

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4 Antworten to “Ein Verkauf bei Amazon”

  1. schneckspeck 6. November 2012 um 21:59 #

    Oh man. Wie unglaublich nervig. Deswegen verkaufe ih so ungern im Internet…hatte so einen ähnlichen Fall mal bei ebay….
    Ich hoffe die Sache geht zu deinen Gunsten aus!

  2. DerSinn 6. November 2012 um 22:38 #

    Da kann man eigentlich nur noch den Kopf schütteln. Vor Allem, weil die Unfähigkeit Angaben zu lesen in unglaublich vielen Fällen mit der Chuzpe alle Wege auszunutzen zusammenhängt, die einem als „Gegenstelle“ schaden können… :/

  3. TimeBanditsWorld 6. November 2012 um 23:00 #

    Danke für diesen Blog, ich wollte auch was verkaufen, aber das lass ich jetzt. Hab schon einige negative Dinge gehört, ich werde das was ich verkaufen will, einfach ganz altmodisch über einen Zettel beim Discounter verklingeln….

  4. Desirée Löffler 7. November 2012 um 02:06 #

    Mann, Mann, Mann, manche Leute… Ich hab bei Amazon bisher nur gute Erfahrungen gemacht, aber auch nur Kleinigkeiten verkauft. Erstaunlich, dass Amazon da seine Kunden vor seine Verkäufer stellt, zumal der Kundenservice der Hausseite in letzter Zeit meiner Ansicht nach schlechter geworden ist.

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