[Film] Chernobyl Diaries

3 Nov

Einer der guten Aspekte am Beruf des Redakteurs ist es, dass man sich für Artikel intensiv mit Themen auseinandersetzt, die sonst eher an einem vorbeigehen. So hatte ich für den letzten Provocateur eine Strecke über Geisterstädte gemacht, bei denen auch das ukrainische Prypjat dabei war. Prypjat war eine Trabantenstadt für die Arbeiter im Atomkraftwerk Tschernobyl. Als dieses im Jahr 1986 explodierte, verließen die Einwohner Prypjats ihre Wohnungen und die Stadt nur mit dem wichtigten Hab und Gut und ließen vieles zurück. Da die Hauptstraßen inzwischen dekontaminiert wurden, gibt es heute viele legale und illegale Touren in die Geisterstadt.

Genau so eine „Extreme Tour“ macht eine Gruppe von 6 Touristen im Film „Chernobyl Diaries“. Geführt werden sie vom ehemaligen Geheimdienstler Juri, der sie mit seinem Kleinbus in die Stadt fährt und ihnen verlassene Wohnungen zeigt. Als sie wieder zurück zum Bus kommen und die Stadt verlassen wollen, stellen sie fest, dass der Bus nicht mehr fährt, weil Kabel durchgebissen wurden. Also müssen sie die Nacht im Bus verbringen. Im Dunkeln hören sie plötzlich Geräusche, und als Juri den Bus verlässt, um nachzusehen, woher diese kommen, kehrt er nicht wieder zurück.

Die erste Hälfte des Films ist großartig und baut kontinuierlich eine gruselige Stimmung auf, weil man nicht genau weiß, worin die Bedrohung besteht. Zudem sieht die Kulisse so sehr aus wie die Fotos, die ich beim damaligen Recherchieren für die eingangs erwähnte Strecke von Prypjat sah, dass ich bis zum Schluss dachte, dass der Film wirklich dort gedreht wurde. Allerdings klärt Wikipedia auf, dass die Drehorte in Serbien und Ungarn lagen. Leider verliert sich der Film in der zweiten Hälfte in unspannenden Rennereien und viel zu seltenen Begegnungen mit der Bedrohung (ich will hier nicht verraten, was genau sich in Tschernobyl herumtreibt, auch wenn es nicht sehr schwer sein dürfte, darauf zu kommen). Außerdem ist das Ende – wie in so vielen solcher Filme – einfach nur blödsinnig. Trotzdem lohnt es sich meiner Meinung nach, „Chernobyl Diaries“ anzuschauen, weil er im Genre der Slasherfilme durch seine ungewöhnliche Kulisse und den guten Spannungsaufbau doch herausragt.

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2 Antworten to “[Film] Chernobyl Diaries”

  1. Kathrin 24. Februar 2013 um 12:24 #

    Mag ja sein das auch in Serbien und Ungarn gedreht wurde und sicher haben die nicht direkt im Reaktor gedreht aber allein das Riesenrad ist eins zu eins das aus Prypiat.
    Auch die Szene mit der runden Glaskuppel und dem Wasserbecken darunter kenne ich von Fotografien aus der Stadt, wenn die das alles nachgebaut haben, hätte es kein Lowbudget Film werden können. Vielleicht haben sie ja doch für einige Szenen in Prypiat gedreht, hast Du hierzu genauere Infos?

    • Alex 24. Februar 2013 um 13:58 #

      Ich hatte mich schon im Film darüber gewundert, dass das Riesenrad inmitten eines Wohngebiets steht. Das schien mir irgendwie unlogisch, auch wenn es echt aussah. Deshalb dachte ich mir schon, dass sie das es am Set neu aufgebaut haben.
      Ich hab jetzt noch die Seite hier gefunden: http://www.gocacher.de/?p=1934. Da steht auch, dass die Drehorte in Ungarn und Serbien waren, aber Totale in Prypjat gedreht wurden. Ich denke, man kann auch den Schauspielern und dem Team nicht zumuten, sich so lange in einer verstrahlten Stadt aufzuhalten.

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