Die Wiener Linien bei der 1. Straßenbahn-Europameisterschaft

19 Okt

Man stelle sich folgendes vor: Auf einem Kindergeburtstag findet eine kleine Meisterschaft statt, mit lustigen Spielen wie Sackhüpfen, Eierlaufen und Topfschlagen. Es machen 17 Kinder mit, und am Ende erzählt dann das sechstplatzierte Kind, wie intensiv es sich auf den Wettbewerb vorbereitet hat und wie stolz es auf seinen Platz im Spitzenfeld ist. Und würdigt dabei den vor ihm Platzierten keiner Erwähnung.

So ähnlich kam mir der Artikel vor, den ich gerade auf der Homepage der Wiener Linien gelesen habe. Und zwar fand Ende September in Dresden die erste Europameisterschaft der Straßenbahnfahrer statt. Teilgenommen haben 17 Teams aus neun Ländern. Die sechs Disziplinen, die durchgeführt wurden, waren: ruck- und stoßloses Fahren, bei dem ein Becher voller Wasser möglichst gut gefüllt über drei Haltestellen in der Straßenbahn transportiert werden sollte; Schätzfahrten über eine vorgegebene Distanz; Einschätzen von seitlichen Sicherheitsabständen in Kurvenfahrten; punktgenaue Zielbremsungen; das Erreichen einer bestimmten Geschwindigkeit bei abgedeckter Anzeige; Aufgaben zur Ersten Hilfe.

Das Team der Wiener Linien schaffte den sechsten Platz, „meisterte die gestellten Aufgaben bravourös“ und „platzierte sich im europäischen Spitzenfeld“. Der Artikel endet mit den Informationen, dass Straßenbahnfahrer der Wiener Linien eine „44-tägige Grundausbildung“ und „jährliche Weiterbildungsmaßnahmen“ machen. Nirgendwo wird im Artikel wird erwähnt, wer den Wettbewerb gewonnen hat, und weil ich genau das wissen wollte (und aus patriotischen Gründen noch dazu, wo Deutschland gelandet ist), habe ich ein wenig recherchiert.

Es stellte sich heraus, dass die Europameisterschaft der Straßenbahnfahrer im Rahmen des 140-Jahres-Jubiläum der Dresdner Straßenbahn stattfand und der Höhepunkt einer Vielzahl bunter Programmpunkte für die 40.000 Besucher war – also vergleichbar mit dem oben erwähnten Kindergeburtstag. Vor diesem Hintergrund könnte man den Artikel der Wiener Linien doch als ziemlich ernst und – gemessen am eigentlichen Wettbewerb – als übertrieben bezeichnen. Und was die Sieger anging: Das bestplatzierte Team bei der 1. Straßenbahn-Europameisterschaft kam aus Budapest, Platz 2 ging an Dresden und Platz 3 an Brüssel.

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Eine Antwort to “Die Wiener Linien bei der 1. Straßenbahn-Europameisterschaft”

  1. DerSinn 19. Oktober 2012 um 20:29 #

    Der WL-Artikel war tatsächlich schlecht. Ich hab‘ mir ähnliches beim Lesen gedacht. 🙂

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