Medaillensammler

12 Aug

Bei den Olympischen Spielen 2012, die ja heute zu Ende gehen, habe ich aus patriotischen, familiären und lokalen Gründen vor allem die (Miss-)Erfolge von drei Ländern verfolgt, nämlich von Deutschland, Ungarn und Österreich.

Zu Österreich muss man nicht viel sagen. Keine Medaille, schlechtestes Ergebnis seit 1964. Lustig fand ich, dass das Branchenfachblatt ÖSTERREICH das eigene Land im Medaillenspiegel mit drei großen roten Nullen auf Rang 83 platziert hat.

Ungarn wird wohl am Ende unter den besten 10 Nationen im Medaillenspiegel sein, was mich angesichts des relativ kleinen Landes ziemlich überrascht hat. Allerdings befindet sich Ungarn aktuell auf dem 8. Platz im Ewigen Medaillenspiegel der Olympischen Sommerspiele, ist also regelmäßig so weit oben vertreten. Vor allem ist das Land gut in Sportarten, die im oder auf dem Wasser stattfinden. Beim Kanufahren war Ungarn diesmal mit 3 Gold-, 2 Silber- und einer Bronzemedaille die beste Mannschaft überhaupt (vor Deutschland), beim Schwimmen waren die 2 Goldmedaillen sogar ein wenig zu wenig, wenn man bedenkt, dass Ungarn bei den Olympiasiegen in der Ewigen Schwimm-Rangliste hinter den USA, Deutschland und Australien auf dem 4. Platz liegt. Auch beim Wasserball, wo Ungarn von 2000 bis 2008 dreimal hintereinander Gold holte, wäre mehr drin gewesen als ein Ausscheiden im Viertelfinale.

Schlussendlich freute ich mich, dass Deutschland doch recht gut im Medaillenspiegel dasteht. Ein paar Medaillen mehr wären sicher möglich gewesen, aber manchmal spielt eben das Glück nicht so mit, wie beim Gewichtheber Matthias Steiner. Ziemlich unrealistisch waren die Medaillenvorgaben, die das Innenministerium vor ein paar Tagen veröffentlichte. Danach hätte Deutschland 86 Medaillen gewinnen sollen, davon 28 goldene. Allerdings muss man leider sagen, dass vor allem die Schwimmer enttäuscht haben. Nur Thomas Lurz (über den ich übrigens mal ein Portrait für ein Kundenmagazin geschrieben habe) gewann dort Silber im 10-km-Schwimmen.

Was ich ein wenig komisch fand, war der Hype um die Sportler, die bei wenigen Olympia-Teilnahmen viele Medaillen gewinnen. Michael Phelps zum Beispiel, der bei drei Olympischen Spielen zwischen 2004 und 2012 insgesamt 22 Medaillen gewann, davon 18 goldene. Oder Ussain Bolt, der bei den gleichen drei Spielen 12 Mal Gold holte. Wenn man umgedreht die Sportarten betrachtet, in denen ein Sportler maximal eine Medaille holen kann – Mannschaftssportler zum Beispiel, oder Werfer in der Leichtathletik -, dann finde ich schon, dass man jeden Sportler auf nur einen Start (sprich: eine Strecke bei Schwimmern oder Läufern) pro Olympische Spiele beschränken sollte. Es ist zwar erfreulich für denjenigen, der eine zweistellige Goldmedaillenzahl vorweisen kann, aber so wird der Medaillenvergleich unter den Sportlern unübersichtlich und unfair.

Und zu guter Letzt finde ich, dass man einige Sportarten aus dem Olympischen Programm streichen sollte. Inwieweit war zum Beispiel Fußball relevant bei Olympia? Die alberne Begrenzung auf Spieler unter 23 Jahren mit der noch alberneren Ausnahme von drei Spielern oberhalb dieser Grenze lässt doch wirklich kein Urteil darüber zu, welches Team das beste der Welt ist. Und welche Rolle spielt schon ein Olympiasieg im Tennis für einen Spieler, der beispielsweise zugleich Wimbledon- und US-Open-Sieger ist? Und was hat eigentlich Golf bei Olympia zu suchen, das ab 2016 zum Programm gehören wird? Ich finde, dass Olympia nur den Sportarten und Sportlern gehören sollte, die außerhalb des Vier-Jahres-Rhythmus kaum Beachtung finden und dann für ein paar Tage im Licht der Öffentlichkeit stehen dürfen.

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