Archiv | August, 2012

BILD versteht Jan Böhmermanns Humor nicht

31 Aug

Heute Abend gibt es auf Bild.de die große Schlagzeile „Charlotte Roche pöbelt Max Herre aus TV-Studio“. Mal davon abgesehen, dass es der BILD ja recht gut gefallen dürfte, mal wieder negativ über Charlotte Roche berichten zu können („Sie hat wieder zugeschlagen…“; zur Auseinandersetzung BILD vs. Roche siehe z.B. hier), ist es auch immer schön, über einen „Eklat“ zu berichten. Und zwar soll sich Charlotte Roche negativ über das neue Album von Max Herre geäußert haben. Und da fängt meiner Meinung nach schon die falsche Herangehensweise an die Sendung „Roche & Böhmermann“ an, bei deren Aufzeichnung der „Eklat“ passierte. Denn wer die Sendung ein paar Mal gesehen hat, sollte wissen, dass dort nicht gerade zimperlich mit den Gästen umgegangen wird. Da wurden zum Beispiel Sido und Britt Hagedorn hereingelegt, indem ihnen vorgegaukelt wurde, dass die Aufzeichnung gestoppt wird, obwohl dies nicht der Fall war. Und wer ein Problem mit den Moderatoren hat, der geht einfach nicht hin – so wie Farin Urlaub, der nicht in die Sendung kam, obwohl er zusagte, weil dort geraucht und Alkohol getrunken werden darf. Man hat es also mit einem unkonventionellen Format mit eher unkonventionellen Moderatoren zu tun – das sollte man wissen, wenn man darüber berichten will.

Besonders schön fand ich aber den Konflikt zwischen den Moderatoren Charlotte Roche und Jan Böhmermann – der von der BILD-Zeitung im betreffenden Artikel konstruiert wurde. Dort steht dann zu lesen:

„Sie ist einfach eine laufende Kettensäge“, schimpft Moderator Böhmermann über seine Talk-Kollegin später auf „Radio Köln“. Der Bremer Böhmermann geht sogar noch weiter: „Ich könnte mir vorstellen, die Sendung ohne Charlotte zu moderieren. Ich brauche sie nicht, das Team braucht sie nicht.“

Und spätestens daran erkennt man, dass der Redakteur (Namen braucht man bei der BILD eh nicht, zumindest steht seltenst einer unter einem Artikel) keine Ahnung von Jan Böhmermanns Humor hat. Wenn man nur ein paar Minuten der Lateline am Donnerstag hören würde (oder die Sendung schauen, um die es in dem Artikel überhaupt geht), dann würde man erkennen, dass Böhmermann seine Aussagen ganz sicher nicht ernst gemeint hat. Dass es seine Späße jetzt in die BILD geschafft haben und so Publicity für die (sehr gute, weil eben unkonventionelle) Sendung entsteht, finde ich begrüßenswert, denn so steigt die Quote hoffentlich noch weiter.

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Provocateur 03/2012

31 Aug

Ab heute ist der neue Provocateur am Kiosk.

Auf dem Cover haben wir zum ersten Mal eine Frau, nämlich Milla Jovovich, die wir auch im Interview hatten. Wir zeigen junge und aufstrebende Hollywood-Schauspieler, haben Jürgen Vogel interviewt und fotografiert und mit Tobias Jundt von der Band Bonaparte sowie dem Fotografen David Drebin geredet.

Eine Story erklärt, wie der US-Wahlkampf zwischen Obama und Romney im Netz geführt wird, der Börsen-Profi Dirk Müller erläutert, wie man mit Wasser reich werden kann, und ein Redakteur von uns ist bei der Mille Miglia mitgefahren und berichtet darüber. Wir sprachen mit Regisseur Robert Rodriguez und haben eine Fotostrecke mit Geisterstädten in der ganzen Welt gemacht.

Dann war unser Chefredakteur auf der Route 66 unterwegs, Manuel Andrack stellt seine liebsten Restaurants und Cafés in Saarbrücken vor, und wir haben ungewöhnliche Rezepte mit Kaffee sowie schöne Kaffeemaschinen.

In einem Fotoshooting zeigt Wotan Wilke Möhring Männermode, und wir haben Carlo Rivetti, den Chefdesigner von Stone Island, sowie Michael Michalsky interviewt.

Dann trafen wir Lionel Messi, sprachen mit dem Golfer Martin Kaymer, zeigen coole Golfplätze weltweit und stellen die extremsten Extremsportler des Sommers vor.

Und schließlich gibt es einen Bericht über die 24 Stunden von Le Mans und die dort genutzte Hybrid-Antriebstechnologie, ein Interview mit Mauro Alessi, dem jüngsten Spross der Designer-Familie, eine Story über einen Korallenzüchter in Florida, die schönsten Möbelklassiker sowie Gadgets für iPhone und iPad.

Dieser Tage werde ich auch wieder eine Liste schreiben, was ich alles für das Heft geschrieben habe.

Hardcore-Diät 2

26 Aug

Ich hatte hier schon geschrieben, dass ich gerade ein weiteres Mal eine Diät ausprobiere. Dabei hat man Ernährungspläne für vier Tage, die sich periodisch wiederholen (nach Tag 4 geht’s gleich mit Tag 1 weiter). Über die ersten zwei Tage hatte ich auch schon geschrieben, jetzt kommen die Tage 3 und 4.

Der dritte Tag ist der seltsamste, da man da sehr diät-untypisch isst. Zum Frühstück gibt es das übliche Obst, und dann geht’s los: Zum Mittag darf man eine Pizza (allerdings nur mit Tomatensauce drauf) oder eine Portion Nudeln oder ähnliches essen. Am Abend dann gibt’s 2 Stück Torte oder 2-3 kleine Stücke Gebäck oder 3 Kugeln Eis, gefolgt von einem obligatorischen Streifen Kochschokolade. Ich weiß nicht, wie das eine Diät unterstützen soll, aber mir gfällt dieser Tag logischerweise am besten.

Der vierte Tag schließlich heißt Obst-Tag, und dementsprechend kann man so viel Obst essen, wie man will, allerdings auch nichts anderes. Und tags darauf geht es wieder mit dem Plan für Tag 1 weiter.


Ich hatte gestern meinen Tag 3, und ich hab es ein wenig übertrieben, indem ich nicht Pizza, sondern einen Sandwich zum Mittagessen hatte, und außer dem Eis zum Abendessen noch einen Teller Kartoffel-Salami-Auflauf meiner Frau. Aber ich hatte ja schon angekündigt, dass ich den Plan nicht allzu ernst nehmen werde. Für heute habe ich mir allerdings wirklich vorgenommen, nichts als Obst zu essen. Morgen früh stelle ich mich dann nach dem ersten Durchlauf der 4 Tage auf die Waage und schaue, ob es schon Ergebnisse zu vermelden gibt.

Unterwegs mit Baby

25 Aug

Wenn man sich mit Baby und Kinderwagen in einer Großstadt bewegt, gibt es Dinge, auf die man plötzlich achten muss, über die man sich vorher keine Gedanken gemacht hat. Ohne Kind geht man Treppen auf und ab, mit Kinderwagen irrt man zunächst durch labyrinthartige U-Bahn-Stationen auf der Suche nach dem richtigen Aufzug. Und wenn es keinen gibt, muss man eben zum anderen Eingang und dort suchen. Dann gibt es immer wieder Geschäfte, die man nur über ein paar Stufen betreten kann. Ohne Kinderwagen macht man ein paar Schritte, den Wagen kann man kurz anheben (ist zwar anstrengend, geht aber) – aber was machen Rollstuhlfahrer?

Heute wollten wir in einem Café frühstücken, das wir sehr mögen. Als wir dann dort waren, fragten wir, ob sie einen Babyhochsitz haben. Hatten sie nicht. Also gingen wir zu einem Restaurant, weil es schon fast Zeit zum Mittagessen war. Doch auch die hatten keinen Sitz. Auch beim dritten Versuch hatten wir keinen Erfolg. Am Ende sind wir in die Kantine im Museumsquartier gegangen, weil wir wussten, dass es dort einen Hochsitz gibt – wenn auch nur einen für alle Besucher. Irgendwie verstehe ich nicht, dass das kein Standard für Restaurants und Cafés ist. So ein Hochsitz kostet eine Kleinigkeit, zumal es ohnehin gerne auch ein gebrauchter sein darf. Wahrscheinlich müssen erst genug Eltern von Kleinkindern unverrichteter Dinge das Etablissement wieder verlassen haben, bis der Restaurantbesitzer auf die Idee kommt, dass es durchaus zuträglich fürs Geschäft wäre, ein paar Babyhochsitze bereitzuhalten.

Das Schlimmste, was einem so passieren kann, wenn man mit Baby unterwegs ist, sind Menschen, die glauben, dass das Baby Allgemeingut ist und deshalb getätschelt werden darf. Das hatten wir schon einige Male: Leute im Aufzug, in der U-Bahn oder auf der Straße kneifen unsere Kleine in die Wange und streicheln ihr über selbige. Man ist dann immer völlig verdattert, möchte aber am liebsten diese Leute zurechtweisen mit dem alten Satz, den Eltern zu ihren Kindern sagen, wenn diese einer Fliege die Beine rausreißt: „Möchtest du, dass ich das gleiche mit dir mache?“

Hardcore-Diät

24 Aug

Ich habe mich in letzter Zeit ernährungsmäßig ziemlich gehen lassen, auch weil ich merkte, dass ich harte Vorgaben in Sachen Ernährung brauche. Meine Aktion, bei der ich bis März wochenweise andere Ernährungsvorgaben hatte (nur Suppe, maximal 1.000 Kalorien am Tag…), war in diese Richtung ziemlich gut. Vorgestern habe ich von einer Kollegin die Beschreibung einer Diät bekommen, und bereits gestern habe ich damit angefangen.

Die (namenlose) Diät verspricht (mal wieder), dass man damit den Stoffwechsel umstellen kann und auf Dauer etwas für sein Gewicht tut. Die besagte Kollegin macht die Diät seit 7 Wochen und verlor in der Zeit 12 Kilogramm, was natürlich vielversprechend klingt. Insgesamt soll die Diät aber über 90 Tage gehen, was ich schon ziemlich lang finde. Aber mal sehen.

Jedenfalls besteht der Ernährungsplan aus vier Tagen, die nahtlos aufeinander folgen; nach dem vierten Tag startet man wieder mit dem ersten. Alle Tage haben das Frühstück gemeinsam: Obst, und zwar paarweise, also zum Beispiel 2 Äpfel, 2 Birnen oder 2 Bananen. Bei kleinerem Obst zählt eine Handvoll als Stück. Tee und Kaffee darf man immer trinken, so viel man will, allerdings immer nur am jeweils ersten Tag mit Milch.

Der erste Tag ist der Eiweiß-Tag, an dem man mittags entweder ein großes Schnitzel oder drei gekochte oder gebratene Eier isst, außerdem eine Scheibe Brot und so viel Salat, wie man will. Der Eiweiß-Tag ist der einzige der vier Tage, an dem man Milchprodukte zu sich nehmen darf, die man dann allerdings von Fleisch oder Eiern abziehen muss. Zum Abschluss der Mahlzeit muss man 200 Gramm Brühe ohne Nudeln essen bzw. trinken. Am Abend isst man das gleiche, aber nur die Hälfte davon.

Am zweiten Tag darf man mittags eine Suppenschüssel voll Kartoffeln, Reis, Erbsen, Bohnen oder Eintopf essen, gekocht und nur mit Gewürzen oder Tomatensauce, dazu wieder so viel Salat, wie man will, und eine Scheibe Brot. Am Abend gibt’s wieder die Hälfte des gleichen.

Die Vorgaben für die anderen beiden Tage beschreibe ich demnächst.

Wie gesagt, ich habe gestern mit der Diät angefangen, aber auch beschlossen, dass ich mich nicht 100-prozentig an die Vorgaben halte. So hatte ich gestern zum Mittagessen drei gekochte Eier und zum Abendessen Hühnchenstreifen und Rührei. Heute aß ich Kartoffeln mit Tomatensauce zu Mittag, habe aber nicht vor, das gleiche auch am Abend zu essen. Und für das Wochenende haben meine Frau und ich uns vorgenommen, dass wir in unserem Lieblingscafé hier in Wien frühstücken gehen, und da habe ich sicher nicht vor, nur Obst zu essen.

Ich stand vor zwei Wochen auf der Waage und hatte 95 Kilo (bei 1,90 m Körpergröße). Mein Ziel ist nach wie vor die 80-Kilo-Marke. Ich werde berichten, ob die Diät mich diesem Ziel näher bringt.

[TV] Black Mirror, Episode 2

17 Aug

Ich hatte schon hier über die britische Mini-Serie „Black Mirror“ berichtet bzw. über deren erste Folge „The National Anthem“. Neulich habe ich mir die zweite Folge namens „15 Million Merrits“ angeschaut, die ich ebenso wärmstens empfehlen möchte.

„Black Mirror“ besteht aus drei Folgen (es wurden allerdings schon weitere angekündigt), die inhaltlich nichts miteinander zu tun haben, aber durch den roten Faden zusammengehalten werden, dass sie sich mit beängstigenden Zukunftsszenarien beschäftigen, immer in Kombination mit technischen Errungenschaften. Waren diese in der ersten Folge mit YouTube und Facebook welche, die in unserer Gegenwart bereits existieren, so ist die zweite Folge in einer beängstigenden technisierten Zukunft angesiedelt.

Sie begleitet den Protagonisten Bing, der – wie viele andere auch – tagtäglich auf einem Hometrainer fährt, um seine Umgebung mit Strom zu versorgen, aber auch um sich ‚Merrits‘ zu verdienen, die Währung in diesem Szenario. Zur Unterhaltung werden auf den übergroßen Bildschirmen vor den Radfahrern sowie in ihren Zimmern Reality-Shows gezeigt, in denen dicke Menschen gedemütigt werden oder in denen nach Gesangstalenten gesucht wird; außerdem gibt es eine Erotik-Show. Unterbrochen werden die Sendungen durch Werbungen, die man sich ansehen muss – oder man zahlt eine Strafe in Form von ‚Merrits‘. Ausgeben kann man die ‚Merrits‘ für Essen und für die optische Modifizierung seines Avatars, mit dem man als virtueller Besucher an der Casting-Show teilnimmt.

Bing hört eines Tages seine Mit-Radfahrerin Ali singen und überredet sie dazu, an der Casting-Show teilzunehmen. Er denkt, das Teilnahme-Ticket kostet 12 Milionen ‚Merrits‘, tatsächlich sind es aber 15 Millionen. Da er aber knapp über 15 Millionen hat und kein Interesse, diese für irgendetwas auszugeben, kauft er Ali das Ticket. Sie tritt auf und singt:

Die Jury ist begeistert von ihrem Auftritt, rät ihr aber angesichts des Überangebots an herausragenden Sängern in der Show dazu, lieber an der Erotik-Show teilzunehmen. Beeinflusst durch das frenetische Publikum und getragen vom Wunsch, nicht wieder auf ihr Fahrrad zurückzukehren, stimmt Ali zu. Bing ist enttäuscht und sitzt in seinem Zimmer, als auf seinem übergroßen Fernseher die Werbung für Alis Auftritt in der Erotik-Show läuft. Da er keine ‚Merrits‘ mehr hat, um die Strafe fürs Nicht-Hinsehen zu zahlen und den Anblick ertragen muss, zerschlägt er den Bildschirm. Er macht es sich zum Ziel, 15 Millionen ‚Merrits‘ für seinen eigenen Auftritt in der Casting-Show zu verdienen – mit dabei hat er eine riesige Glasscherbe aus seinem zerschlagenen Fernseher.

Die Folge ist vor allem als überspitzte Kritik an Casting-Shows zu verstehen, betrachtet aber auch die Mehr-Klassen-Gesellschaft (die Elite macht im Fernsehen Karriere, die untere Klasse wischt unter den Radfahrern den Boden) und umfassende Überwachung. Gerade durch diese Vielzahl an Themen und die Optik mit vielen Touchscreens und mit Gesten zu bedienenden Bildschirmen ist die Folge sehr sehenswert und bleibt – wie auch schon die erste „Black Mirror“-Folge – lange im Gedächtnis.

Provocateur-Newsletter 10/2012

16 Aug

Der Newsletter, den wir heute veröffentlicht haben, beinhaltet ein Gewinnspiel. Und zwar kann man ein Navigationsgerät von Garmin gewinnen, wenn man bis zum 30. September Freund von Provocateur bei Google+ wird.

Von mir sind die folgenden Texte:

Hotel Hollywood – eine Slideshow mit Hotels prominenter Besitzer (als Teaser zur Strecke im aktuellen Heft)
Olympia-Bilanz – über die Analyse, die ich im letzten Heft bezüglich unserer Medaillenkandidaten erstellt hatte
Anpfiff fürs Jubiläum – über die 50. Bundesliga-Saison
Richtungsweisend – das Navigationsgerät Garmin nüvi 3590LMT und das oben bereits erwähnte Gewinnspiel