Ein Unmensch und ein Dummkopf

22 Jul

In den letzten Tagen sind zwei Dinge passiert, die mich noch immer beschäftigen. Sie handeln von einem körperlichen Angriff und seltsamem stereotypem Denken.

Die eine Sache geschah, als wir mit unserem Leihwagen vor dem Büro der Leihfirma standen (den gesamten Kontext gibt es hier nachzulesen). Zugegeben, wir standen auf dem Bürgersteig, und die Fußgänger mussten, um um das Auto herumzukommen, auf die (allerdings kaum befahrene) Straße ausweichen. Oder zwischen Häuserwand und Auto hindurch laufen. Es saß also ein Techniker von der Leihwagenfirma am Steuer, mit den Füßen auf der Straße. Da kam ein älteres Ehepaar vorbei, und der vorausgehende Mann schlug mit voller Wucht die Tür zu, um am Auto vorbeizukommen. Natürlich waren die Beine des Technikers dazwischen und wurden voll von der Tür getroffen. Die ältere Frau fing an zu streiten und meinte, dass das doch kein Parkplatz sei. Aber auch nachdem ich sagte, dass das Auto defekt ist, dass der Mann am Steuer ein Techniker ist und dass ein absolut keinen Grund gibt, Menschen zu verletzen, auch wenn man keinen freien Weg hat, wollten die älteren Leute ihren Fehler nicht einsehen. Und das Absurde: Das Gesicht des älteren Mannes sah ich zu keinem Zeitpunkt, weil er es noch nicht einmal für nötig hielt, sich umzudrehen, geschweige denn sich zu entschuldigen. Ich weiß nicht, was ich gemacht hätte, wenn ich am Steuer gesessen und der Mann mich verletzt hätte. Oder noch schlimmer, wenn mein Kind verletzt worden wäre, nur weil so ein Unmensch bei seinem Spaziergang gestört wird, den Mund nicht aufbekommt und ohne Rücksicht auf irgendetwas Türen zuschlägt.

Die andere Sache las ich auf einem Blog. Dort hatte ein 20-Jähriger ein Foto von einer Einkaufswagenschlange gepostet, die sehr weit in den umgebenden Parkplatz hinein ragte. Darunter schrieb er (unter der Überschrift „Dumme Leute“): „Typische DDR-Mentalität“ (dem Bindestrich habe ich gesetzt, soviel zum Thema „dumm“). Ich habe erstmal überhaupt nicht verstanden, woher seine Assoziation zwischen der DDR und „dummen Leuten“ kommt. Und dann fiel mir nicht ein, wie ein Mensch, der die DDR gar nicht erlebt hat, weil er viel zu jung dafür ist, auf die Idee kommt, so mit negativen Klischees um sich zu werfen. Es mag ja sein, dass er schlechte Erfahrung mit Bürgern aus den neuen Bundesländern gemacht hat, aber eine solche Stigmatisierung finde ich unangebracht. Das wäre ungefähr so, als würde ich anhand der obigen Geschichte darauf schließen, dass alle Österreicher rücksichtslos und gewalttätig sind. Ich finde, wenn jemand keinerlei Ahnung von einem Thema hat und nur sinnlos beleidigen will, sollte er es lieber lassen.

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