[Buch] „Robert Enke. Ein allzu kurzes Leben“ von Ronald Reng

18 Jan

Am Ende des letzten Jahres, knapp nach dem zweiten Todestag von Robert Enke, las ich diese Biographie des Journalisten Ronald Reng. Es ist ja ein durchaus schwieriges Thema, die Lebensgeschichte eines depressiven Torhüters nachzuzeichnen, der sich schließlich das Leben nahm. Merklich hat Reng, der eng mit Enkes Witwe Theresa zusammengearbeitet hat, sehr viel recherchiert und sehr viele Gespräche mit Freunden und Wegbegleitern geführt. Der Fokus liegt auch nicht allzu sehr auf dem Fußball (man kann also mit dem Buch auch was anfangen, wenn man nicht so sehr an Fußball interessiert ist), sondern auf Enkes Leben und der Frage, wie die heimtückische Depression in sein Leben kam.

Robert Enke war ein äußerst feinfühliger Mensch, der häufig bei schlechten Vereinen (Borussia Mönchengladbach, Hannover 96) oder bei zu guten (FC Barcelona) spielte, bei denen er nie die Chance bekam, sich zu beweisen. Bei Fenerbahçe Istanbul machte er nur ein Spiel, bei dem ihn die gegnerischen Fans beschimpften und mit Gegenständen bewarfen, woraufhin Enke im Hotelzimmer einen Zusammenbruch erlitt und den Vertrag auflösen ließ. Privat musste er den frühen Tod seiner leiblichen Tochter Lara verkraften. Das Buch gibt keine Antwort, welches Ereignis in Enkes Leben letztlich dafür gesorgt hat, dass die Depression ausbrach, aber das ist auch nicht seine Intention.

Der Ton des Buches ist äußerst sensibel, intelligent und würde einem (fiktiven) Roman alle Ehre machen. Und ich muss zugeben, dass ich am Ende mit den Tränen zu kämpfen hatte (dabei las ich das Ende in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit, weil ich es nicht aus der Hand legen konnte). Selbstverständlich erwartet man bei einem solchen Thema keine leichte Unterhaltung, deshalb ist es allzu zart besaiteten Personen auch nur bedingt zu empfehlen.

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Eine Antwort to “[Buch] „Robert Enke. Ein allzu kurzes Leben“ von Ronald Reng”

  1. John Moccasin 18. Januar 2012 um 22:39 #

    Als Fussballfan und jemand, der Erfahrungen mit der Krankheit Depression gemacht hat, war der tragische Tod von Robert Enke ein Thema, das mich sehr interessiert hat. Das Buch habe ich relativ zügig nach dem Erscheinen gelesen, sodass es jetzt schon eine Weile her ist, aber es ist mir dennoch gut in Erinnerung geblieben. Ich stimme dir voll und ganz zu, dass es ein sehr gutes Buch ist.
    Ronald Reng schafft es meiner Meinung nach perfekt, sowohl ein emotionales Bild von Robert Enke wiederzugeben, als auch die Geschehenisse mit einer guten, sachlichen Distanz widerzugeben. Mich hat das Buch damals zu Tränen gerührt und seit ich das Buch gelesen habe, denke ich jedes Mal wieder an Robert Enke, wenn Hannover 96 in den Medien auftaucht. Es hat mich damals schockiert zu lesen, dass diese Krankheit es schafft einen gestandenen und erfolgreichen Menschen so zu zerstören, dass er keinen anderen Ausweg mehr sieht. Man kann den Menschen, die mit dieser schlimmen Krankheit zu Kämpfen haben, nur das Beste und die Kraft, die dunklen Tagen zu überwinden, wünschen.
    Danke für deine stimmige Rezension zu dem Buch,
    lieben Gruß,
    John

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