[Buch] So finster die Nacht von John Ajvide Lindqvist

8 Jan

Vor einigen Jahren habe ich in den USA den Film „Let the right one in“ angeschaut, auf Schwedisch mit englischen Untertiteln. Danach fand ich heraus, dass der Film auf einem Buch basiert, dessen schwedischer Originaltitel „Låt den rätte komma in“ lautet; der deutsche Titel ist „So finster die Nacht“. Ich las damals das Buch, vergaß vieles wieder, schaute zwischendurch das US-Remake „Let me in“, und nach Weihnachten 2011 nahm ich mir vor, „So finster die Nacht“ nochmals zu lesen.

Die Geschichte spielt im Stockholmer Stadtteil Blackeberg im Jahr 1981. Der 12-jährige Oskar wird in der Schule gemobbt und flüchtet sich in Fantasien, in denen er seine Peiniger umbringt. Er freundet sich mit dem Nachbarsmädchen Eli an, das ihm zunächst seltsam vorkommt, ihm aber schnell Halt gegenüber seiner oft feindlichen Umwelt gibt. Der Leser erfährt aber sehr schnell, dass Eli mit einem Mann zusammenlebt, der nachts loszieht und junge Männer umbringt, sie mit dem Kopf nach unten aufhängt und ausbluten lässt. Das Blut fängt er auf und bringt es Eli zum Trinken. Denn Eli ist ein Vampir.

Es wäre zu einfach, „So finster die Nacht“ als einfaches Vampirbuch zu bezeichnen. Es ist vielmehr ein Vampir-Horror-Thriller-Jugendbuch. Der geschundene Oskar baut eine zarte Zuneigung zu Eli auf, die auch dann noch stärker wird, als er merkt, was Eli wirklich ist. Das Mobbing, das Oskar durchleiden muss, wird schmerzlich und mitfühlend beschrieben, ohne im Fokus zu stehen. Ebenso ist es mit dem Vampirthema, dem Horror, der in den Vorort-Alltag einbricht, und allem, was noch so passiert. Alles ist eben so, wie es ist. Und gerade diese Beiläufigkeit macht das Buch so beeindruckend und faszinierend.

5 Dinge, die hängen bleiben:

  1. Diese Schweden packen einfach die heißen Eisen an. Ohne Vampire, Vampirmutanten und blutige Morde könnte das Buch gut auch als typisch schwedisches Jugendbuch durchgehen. Geschiedene Eltern, Alkoholismus und Prostitution inklusive.
  2. Die Frage nach dem Bezug zum Autoren: John Ajvide Lindqvist schreibt im Nachwort, dass „alles in dem Buch wahr (ist), auch wenn es anders passiert ist“. Lindqvist ist 1968 geboren, das Buch spielt 1981, als er 13 war, ungefähr so wie Oskar. Wurde Lindqvist damals gemobbt und flüchtete sich in Gewalt- und Vampirfreund-Phantasien? Oder sah er sich selbst als Vampir? Oder gibt es eine ganz andere Verbindung?
  3. Wie wurde Eli zu einem Vampir? Im Buch gibt es ein paar Traumsequenzen, die andeuten, was damals passierte, aber genauere Erklärungen werden nicht abgegeben. Aber braucht man die überhaupt?
  4. Das Buch ist viel dichter und hat viel mehr Wendungen und Nebenschauplätze als die Verfilmungen. Ich finde es dennoch gut, wie die Filme einen logischen und interessanten Rahmen um die Handlung des Buches schließen. Persönlich finde ich übrigens das US-Remake ein Stück besser als den schwedischen Film.
  5. John Ajvide Lindqvist ist ein Autor, an dem man dranbleiben muss. Sein zweites Buch „So ruhet in Frieden“ ist ebenso lesenswert, zwei weitere Bücher sind mittlerweile auch herausgekommen.
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2 Antworten to “[Buch] So finster die Nacht von John Ajvide Lindqvist”

  1. Wilfried Ritz 14. Januar 2012 um 09:58 #

    Wie ich sehen magst du das Buch genauso gern wie ich.
    Schöne Grüße von http://www.So-finster-der-Nacht.de

    • Alex 14. Januar 2012 um 10:06 #

      Hallo Wilfried, der Link heißt sicher http://www.so-finster-die-nacht.de, oder?
      Sagt dir eigentlich der Epilog Låt de gamla drömmarna dö („Let the old dreams die“) etwas? Ich hab leider nicht herausfinden können, ob es den schon auf Deutsch gibt.

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